Ein Stern: Probe am 25. November 2009

Haben Sie unsere vorvorletzte CD (the cart of groove, 2004) griffbereit im Regal stehen? Dann nehmen Sie sie doch einmal schnell zur Hand und schlagen Sie die Liner Notes auf. Dort erläutert unser CMO Thomas S. in wenigen, prägnanten Worten, was die Fixpunkte im Leben einer Jazz-Bigband sind: "Dicke Zigarren, guter Wein, schnelle Autos, riesige Instrumente". In dieser Liste fehlen natürlich die schönen Frauen, denn davon haben wir gleich vier in der Band. Aber davon abgesehen: Ist das wirklich wahr? Wie sieht es fünf Jahre nach the cart of groove aus mit diesen Fixpunkten?

Dicke Zigarren sind ungesund, aber zu besonderen Anlässen tauchen sie auch bei uns auf. Also abgehakt. Riesige Instrumente haben wir auch ein paar, wobei die neuen Drums von Olli B. kleiner aussehen als die alten. Man hört ihn aber immer noch gut, insofern auch kein Problem. Guten Wein gibt es oft nach der Probe, um die dürren Trompeterlippen zu benetzen. Also auch hier alles OK. Ein wirklich dunkler Punkt, an dem wir arbeiten müssen, sind die schnellen Autos. Während unser CMO immer noch Porsche fährt, findet man in der Band ansonsten eher Produkte aus dem Nutzfahrzeugbereich. Ford Galaxy, VW Caddy und so weiter. Praktisch? Ja, sicher. Stylish? Fehlanzeige. Allenfalls Paul C. weiß mit seinem weißen Volvo XC noch gewissen Akzente zu setzen.

Heute morgen reichte das Schicksal mir aber die Hand und gab mir Gelegenheit, diesen unrühmlichen Zustand zumindest für eine gewisse Zeit zu beenden. Mein VW Caddy musste zu einem Übernachtungsaufenthalt in die Werkstatt. Deswegen hatte ich schon am Montag mit meinem Standardspruch einen Leihwagen bestellt ("Wir haben Kinder, bitte keinen Smart"). Heute stand ich dann pünktlich um 8.00 Uhr beim Autoverleiher, und die freundliche Dame hinter dem Tresen sagte: "Ich habe gerade leider keinen Kombi da. Aber ein Mercedes, C-Klasse, wäre verfügbar. Ginge das auch?"
Es gelang mir, mehr oder weniger weltmännisch zu nicken, so dass ich kurze Zeit später mit einem Mercedesschlüssel in der Hand aufbrechen konnte. Nun kennt man mich ja gemeinhin nicht als Auto-Freak, aber trotzdem könnte man sagen, dass für mich ein Wunsch in Erfüllung ging, denn wenn ich keine Familienkutsche benötige würde und gewisse Budgetrestriktionen aufgehoben wären, würde ich mich durchaus mit einem Mercedes anfreunden können. In meiner Aufregung ließ ich übrigens meinen Trompetenkoffer im Autoverleih stehen, so dass ich die freundliche Dame hinter dem Tresen einige Zeit später noch einmal begrüßen konnte (die Trompete war zum Glück noch da).

Ich fand den Wagen auf dem Parkplatz, stieg ein, suchte die Kupplung, fand sie nicht und plötzlich wurde mir klar, dass heute nicht nur ein, sondern zwei Wünsche in Erfüllung gehen würden: einmal Automatik fahren. Das wollte ich schon immer mal ausprobieren.

Nachdem ich mich auf dem Parkplatz mit der Bedeutung von P, R, N und D vertraut gemacht hatte, setzte ich ein möglichst cooles Mercedesfahrergesicht auf und schoss wie eine Rakete über die Dietmar-Hopp-Allee. Oder sagen wir, fast wie eine Rakete, denn mitten auf der Kreuzung ertönte ein Warnsignal, und der Bordcomputer forderte mich dazu auf, die Handbremse zu lösen. Ein instinktiver Handgriff nach rechts landete erst auf der Armlehne, dann auf dem Getränkehalter, so dass ich meine erste Mercedesfahrt sehr schnell wieder unterbrechen musste, um die Handbremse zu suchen (im Gegensatz zur Kupplung war sie tatsächlich vorhanden, aber gut versteckt). Aber was soll's, aller Anfang ist schwer, und nach der ersten Testfahrt stand einer stylishen Ankunft bei der heutigen Probe nichts mehr im Wege. Leider hat mich niemand gesehen.

Auf dem Programm standen heute Abend die Stücke für einen SAP-internen Auftritt am 9. Dezember, bei dem wir unsere CD No More Blues vorstellen werden. Ich würde Sie nur langweilen, wenn ich nun jedes einzelne Stück beschreiben würde, und überraschenderweise haben viele davon auch gut geklappt. Auf der anderen Seite wäre es ja erschreckend, wenn wir völligen Schrott gespielt hätten - schließlich haben wir dieselben Stücke vor einigen Monaten im Studio eingespielt. Lassen Sie uns also nur punktuell über einige Nummern sprechen.

Cubano Chant
Dies war das erste Stück heute Abend, und dummerweise hatten sich meine Mitstreiter im Trompetensatz verspätet, so dass ich den ersten Durchgang alleine spielen musste. Früher, als ich meine Grenzen als Trompeter noch nicht ausgelotet hatte, hätte mich so eine Situation in Angst und Schrecken versetzt. Heute meistere ich solche Gelegenheiten mit einem ausreichenden Maß an Fatalismus ("perfekt ist anders"), und siehe da: Thomas konnte sich zu einem großzügigen Kommentar durchringen ("Nicht schlecht dafür, dass du alleine warst. Eine Stelle war ein bisschen daneben.") Zum zweiten Durchgang stieß Konsul Toni D. dann zu mir und spielte aus dem Stegreif auf dem kalten Horn die 1. Stimme. Warmspielen ist eben doch was für Weicheier oder Deutsche. In einer Pause bewies Toni außerdem, dass er die hohe Kunst der österreichischen Diplomatie bis zur Vollendung beherrscht. Er näherte sich taktvoll, lächelte und flüsterte: "Wenn du möchtest, könntest du leiser spielen als ich." Der Grundsatz "niemals lauter als die 1. Trompete" ist in unserer Band ein eherner, ab so charmant hat ihn mir noch niemand nahegebracht.

Why Not
Bei diesem Stück ergab sich eine interessante Konfrontation zwischen El Presidente Ralf H. und CMO Thomas S. Der CMO gab für den Soloteil nämlich noch einmal detaillierte Anweisungen für die Backings (das ist Jazz-Speak für die Begleitung des Solisten) im Trompetensatz. Ralf behauptete daraufhin, dass man diese Stelle schon immer und ausnahmslos richtig gespielt habe - die Wahrheit, so Ralf, müsse hier ans Licht. Thomas wagte es trotzdem, Zweifel zu äußern, und als man schon glaubte, ein Kampf der Titanen sei dabei, sich zu entwickeln, verpuffte die Diskussion im Nichts. Ich glaube, wir sind alle ein bisschen müde. Mich selbst betraf die Auseinandersetzung allerdings auch nicht, denn bei diesem Stück habe ich die Ehre, das erste Solo zu spielen. Während des zweiten Solodurchgangs (ausgeführt von Peter am Saxofon) müsste ich die Backings zwar theoretisch spielen, aber ich nutze die Zeit meistens, um mich vom Solo zu erholen. Es ist zwar nicht so, dass ich besonders laute, hohe oder sonstwie anspruchsvolle Soli spiele. Beim Trompetenspielen strengen mich aber schon die kleinsten Dinge unheimlich an.
Wenn ich Solo spiele, gibt es normalerweise eine von zwei möglichen Reaktionen unseres CMOs: (1) Ein Lob oder (2) nichts. Ich vermute, dass er mit der zweiten Variante auf taktvolle Art und Weise sagen will, dass es für ein Lob leider nicht gereicht hat. Heute war so ein Abend. Bei der Nachbesprechung im La Tortuga sprach ich ihn darauf an, und er sagte, als ob er nicht dabei gewesen wäre: "Du hast heute Abend sicherlich ein gutes Solo gespielt." Aber was soll's, man kann nicht immer gewinnen, und am 9. Dezember werde ich sie alle wegpusten. Ich sag nur, bis zum hohen H. Oder B. Was weiß ich.

Street Life
Leider konnte unsere Sängerin Beatrix A. heute Abend nicht dabei sein, so dass wir die Gesangsnummern für den 9. Dezember instrumental spielen mussten. Ihr Fehlen erzeugte natürlich ein gewisses Vakuum, so dass man häufiger Pfeifen, geraunte Gesänge oder sonstige Vokalimitationen hörte - alles leider nicht sehr kunstvoll, aber zumindest von der Lautstärke her im Rahmen. Bis Street Life aufgelegt wurde. Diese Nummer verbreitet einfach instantanen Frohsinn, der sich natürlich musikalisch besonders gut ausdrücken lässt. Deswegen begannen Toni D. und Ralf H. im ersten Teil (wo die Trompeten normalerweise Pause haben), mit ihren Hörnern den Gesangspart frei zu interpretieren. Nun sind die beiden ja absolute Ausnahmetrompeter, so dass ich mir überhaupt nicht erklären kann, warum Thomas sich dabei die Ohren zuhielt. Ich finde das schon ein bisschen gefühllos. Auf der anderen Seite kann man ihm nicht böse sein, denn er nutzte diese Nummer dazu, um wieder einmal zu beweisen, dass er die beste Luftbassgitarre in Europa spielt. Da quillt der Funk wirklich aus jeder Pore. Respekt.

In den vergangenen Wochen hat Toni damit begonnen, eine neue, sehr schicke Tradition einzuführen: Nachdem die Probe offiziell beendet war, gab er auf seiner goldenen Trompete eine sogenannte Weltmelodie zum Besten (zum Beispiel die Dolannes-Melodie am 23. September). Heute Abend wollte aber unerklärlicherweise niemand zuhören, so dass er sich nur mit einem kurzen Tusch verabschiedete. Also, Toni, mein Liaber, i hätt dir ganz arg gern zug'hört. Ich glaube, der Deimel Anton könnte auch im Unterhaltungsfach ein ganz ein Großer werden. Für nächste Woche wünsche ich mir den Refrain von Santa Lucia (wenn Sie es nicht aushalten, bitte bis 0:40 vorspulen).

Der Abend ging in unserem Lieblingslokal beschaulich zu Ende. Auf der Fahrt nach Hause regnete es. Kein Stern war zu sehen. Halt, Moment, das stimmt nicht ganz. Einer war doch da und geleitete mich sicher nach Hause. Also, ich muss sagen, als Zweitwagen könnte ich mir den C180 durchaus vorstellen (auch wenn Thomas meint, dass ich ein Golf-Typ bin). Alles eine Frage des Budgets. Leider.





Sic transit gloria mundi: Probe am 11. November 2009

Es ist erschreckend, aber wir müssen der Wahrheit ins Gesicht sehen: Der letzte Beitrag in diesem Blog stammt aus dem vorletzten Monat (30. September). Was ist los mit der SAP BIG BAND? Wird da nicht mehr geprobt? Hat die Band sich aufgelöst? Oder hat Ralf seinem zweiten Mann ein Schreibverbot erteilt?

Alles zum Glück falsch! Trotzdem hat es mir unheimlich gut getan, dass ich in den letzten Wochen mehrere solcher Anfragen erhalten habe. OK, es waren zwei, aber "zwei" ist auch "mehrere", oder? Und viel besser als eine oder keine.

Saxonaut zum Beispiel machte sich Sorgen um mein Verhältnis zu unserem CMO Thomas S.
Wie ich in meiner Antwort (siehe Abbildung) ausgeführt habe, war es in letzter Zeit aber lediglich ein bisschen schwierig, alle Termine unter einen Hut zu kriegen. Doch jetzt sind wir ja wieder glücklich vereint.

Eine andere Anfrage von einer mir sehr nahestehenden Person regte an, doch einmal etwas Positives über mich zu schreiben. Das ist natürlich im Bigband-Umfeld auf Grund der riesigen musikalischen Challenges äußert schwierig für mich. Zum Trost sei aber darauf hingewiesen, dass ich in meinem persönlichen Blog in letzter Zeit einige Beiträge geschrieben habe und dort auch ein hemmungsloses Selbstmarketing betreibe (Stichwort "Buchmesse").


Hinter den Kulissen


Auch wenn es hier im Blog einige Zeit lang ruhig war - im Hintergrund tut sich so einiges. Schließlich ist bald wieder Wahlkampf. Ich weiß, Sie glauben nicht mehr daran, dass ich es einmal schaffen werde, unseren Präsidenten Ralf. H. von seinem Thron zu stürzen. Und das Beste daran ist: Ich will es auch gar nicht. Aber es macht mir riesigen Spaß, so zu tun. Und da Ralf viel zu busy ist, um meine Blogbeiträge zu lesen (sonst würde er ja mal mit einem Kommentar auf sich aufmerksam machen - zwinker zwinker), steht auch nicht zu befürchten, dass er von meinen wahren Absichten erfährt.

Eine andere, äußerst wichtige Hinter-den-Kulissen-Tätigkeit bezieht sich auf eine SAP-interne Veranstaltung Anfang Dezember, bei der wir unsere neue CD (No More Blues, May 2009) vorstellen werden. Wie immer im Vorfeld einer solchen Veranstaltung lief in den letzten Wochen eine lebhafte Diskussion über ein geeignetes Plakatmotiv. Unser doppelbegabter Pianist und Grafiker Frank H. war eigentlich schon immer dafür, das (sehr gelungene) Artwork aus dem CD-Booklet wiederzuverwenden. Einige andere hielten dagegen, dass wir im letzten Jahr einigen weiblichen Bandmitgliedern und Fans versprochen hatten, in 2009 einen hübschen Mann auf dem Plakat abzubilden. Nur so konnten wir damals die Zustimmung zu einem weiteren Plakat erhalten, das eine schöne Frau zeigte (siehe Abbildung).

Also gingen wir auf die Suche nach einem schönen Mann. Bilder wurden gesichtet, besprochen, verworfen und schließlich, eines schönen Tages, traf ich Ralf H. an der Kaffeemaschine. Wir kamen ins Gespräch über das Plakat, und unsere versammelte Brainpower reichte aus, um einen an revolutionärer Simplizität nicht zu überbietenden Vorschlag auszubrüten. Dieser lautete: Wir nehmen für das Konzert im Dezember einfach das CD-Artwork und heben uns den schönen Mann für das nächste Konzert im Frühjahr auf. Ich eilte zurück an meinen Schreibtisch, um Frank eine diesbezügliche Nachricht zu senden, hatte jedoch das dumpfe Gefühl, dass unser Vorschlag irgendwie genau das widerspiegelte, was er schon längst vorgeschlagen hatte. Deswegen beendete ich meine Nachricht mit einem vorsichtigen Hinweis:
Nachdem Thomas S. per E-Mail seine Zustimmung signalisiert hatte, traf auch Franks Antwort ein:
Ich weiß nicht, irgendwie habe ich das Gefühl, dass er wirklich lange versucht hat, uns von dem genialen Vorschlag zu überzeugen, auf den wir dann irgendwann selbst gekommen sind. Na ja, gut. Reiten wir nicht länger darauf herum. In einem hochdynamischen Kreativumfeld gibt es eben gewisse Reibungsverluste. Das Gute an der Sache ist, dass Frank sich von Hornochsen wie uns nicht entmutigen lässt, und zur Zeit eifrig am Plakat bastelt. Wir freuen uns schon alle auf das Ergebnis.

So schlägt zur Zeit also der Puls der Band. Aber da dies hier ja eigentlich ein Probenbericht zu sein hat, will ich Sie nicht darüber im Unklaren lassen, wie es heute Abend musikalisch gelaufen ist. Betrachten wir also die Stücke, die wir heute Abend gespielt haben:


Azzurro


Diese Nummer üben wir schon seit einiger Zeit, aber bisher waren wir - zumindest in meinem Beisein - noch nicht dazu gekommen, die vorgesehenen Soloformen mit Leben zu füllen. Tatsächlich sieht das Stück an mehreren Stellen kurze Soli in verschiedenen Sätzen vor, und ich beobachtete ehrfürchtig, mit vor Staunen geöffnetem Mund, wie Thomas zu uns in die letzte Reihe kam und mit Ralf über "Akkorde mit der großen 7" fachsimpelte. Ich war froh, dass Ralf diesen Part übernehmen würde, denn Soloformen, in denen in jedem Takt ein anderer Akkord steht, waren für mich bisher immer mit großen Misserfolgen verbunden. Deswegen musste ich schlucken, als Thomas auch zu mir kam, und mir klarmachte, dass das Solo, das in der 3. Trompetenstimme vorgesehen war, selbstverständlich auch von mir ausgeführt werden müsse. Da er seine Pappenheimer kennt, fing er bei mir gar nicht erst an, über Akkorde zu sprechen, sondern sagte nur: "Wenn du dran bist, viel fuddeln". Dann trat er wieder nach vorne und sprach in seiner Weisheit zu allen: "Hier hat jeder mal einen Solo-Slot. Aufpassen, es geht schnell, ist aber auch schnell vorbei". Nach einigen Durchgängen geschah dann etwas, das noch nie da war und - wie mir meine Bandkollegen eilig zu versichern bemüht waren - auch nie wieder vorkommen wird. Thomas öffnete den Mund und sprach goldene Worte: "Der Hendrik ist der Einzige, der es fast richtig macht." Das ist der Ritterschlag! Das ultimative Kompliment! Eigentlich sollte ich die Band auf der Stelle verlassen, denn mehr geht hier für mich definitiv nicht. Thomas hat sogar noch andere (nette) Sachen gesagt, aber diese gebe ich in meiner Bescheidenheit nicht wieder.

Als wir anschließend eine bestimmte Stelle noch mal im Detail übten, sagte Thomas zunächst, alle Bläser sollten spielen, erwähnte dann aber noch im Besonderen die Trompeten. Daraufhin setzten die Posaunen aus, und als Thomas sie deswegen zur Rede stellte, blitzte einmal mehr das Genie unseres Ausnahmeposaunisten Stefan P. auf: In knappen, aber wohlgesetzten Worten erklärte er Thomas, dass ein lex generalis, ein allgemeines Gesetz (zum Beispiel: alle Bläser müssen spielen) von einem lex specialis, einem speziellen Gesetz (zum Beispiel: die Trompeten müssen spielen) stets außer Kraft gesetzt wird. Er erntete dafür zu Recht Szenenapplaus. Offenbar ist mit Stefan einer der letzten Bildungsbürger unter uns, und wir haben es so lange nicht gemerkt. Gut, dass das jetzt klar ist. So jemanden kann man schließlich immer gebrauchen.


Cactus

Die nächste Nummer haben wir heute zum ersten Mal gespielt, und an dieser Stelle soll nicht unerwähnt bleiben, dass unser Gitarrist Jens W. die Noten für die Band gekauft hat. Vielen Dank dafür, Jens! Das Stück bot unserem neuen Bassisten, Armin S., eine gute Gelegenheit, zu zeigen, was er drauf hat. Schließlich konnte Thomas am Anfang der heutigen Probe bekanntgeben, dass Armin nach einer Kennenlernphase nun fest dazugehört, worüber wir uns alle sehr freuen. Das letzte Konzert in diesem Jahr werden wir noch mit Heinz W. spielen - über seinen Abschied sind wir traurig, aber es ist gut, sich mit einem letzten Auftritt zu verabschieden. Und für nächstes Jahr freuen wir uns auf viele Auftritte mit Armin.

Cactus beginnt mit einem Bass-Intro, und nachdem wir es einmal im Übungstempo angespielt hatten, sagte Thomas zu Armin: "Du kannst das ja schon, dann können wir auch gleich schneller spielen". Kein schlechter Einstand, oder?

Ich selbst wurde bei diesem Stück schmerzhaft daran erinnert, dass der Ruhm dieser Welt (gloria mundi) ach so schnell vergeht (sic transit). Eben noch für mein Fuddel-Solo von Thomas gelobt, verpasste ich einen Einsatz, und das, obwohl ich ausnahmsweise mitgezählt hatte. Leider waren Thomas Ausführungen über die double time in Teil E vorher irgendwie an mir vorübergegangen, so dass ich nur halb so langsam zählte, wie es vorgegeben war. Leider war ich bis zum bitteren Ende davon überzeugt, Recht zu haben, und ließ mich auf ein öffentliches Streitgespräch mit Thomas ein. Bitte fragen Sie nicht, wer gewonnen hat.


Heartland


Als nächstes lag eine vielversprechende Nummer von Peter Herbolzheimer auf, von der wir heute Abend aber nur eine Aufnahme angehört haben (selbstverständlich mit begleitendem Notenstudium). Bei dem Trompetensolo im Mittelteil wurden spontan "Toni, Toni"-Rufe laut - bei manchen Soli kann man sich direkt vorstellen, wie er sie interpretieren wird. Davon abgesehen legte Thomas uns das Stück für eine Satzprobe ans Herz, und mir graut jetzt schon vor den vielen Sechzehnteln. Das muss man ja üben!


Ohne Worte

Das letzte Stück mit dem lustigen Titel haben wir nur einmal durchgespielt und durften dabei zwei äußerst balladeske Soli von Konsul Toni D. und Saxophonist Jochen R. genießen. Das war etwas fürs Herz! Die ganze Nummer gefällt mir gut - bis auf den Schluss. Dieser besteht nämlich aus einer heftigen Dissonanz, die nach Auflösung schreit, aber nicht erhört wird. Thomas kündigte heute Abend dazu folgendes an: "Wer auflöst, zahlt einen Kasten Bier". Da kann ich ja froh sein, dass ich das mit dem Auflösen vermutlich sowieso nicht hinkriegen würde.

Nachdem die Dissonanz verklungen war, öffnete unser CMO noch einmal den Mund und sprach abermals Worte, die unsterblich werden könnten: "Gut! Soll mir für heute gelangen!" Nun gut - wenn es ihm gelangt, wer sind wir, noch mehr zu fordern!