Nun lag also eine doppelte Last auf mir. Zum einen die Bürde, entweder alleine oder in unmittelbarer Nähe unseres CMOs Trompete spielen zu müssen, zum anderen die Angst vor dem wöchentlichen Checkup von Kleidung, Frisur und Gewicht. Als regelmäßige Leser wissen Sie ja, dass Thomas uns nicht nur musikalisch, sondern auch in Stilfragen intensiv coacht und sowohl Geschmacksverirrungen im Kleidungsstil als auch Figurprobleme gnadenlos anprangert. Und genau hier lag das Problem, denn die erzwungene Inaktivität der letz
Die Probe begann viel entspannter, als ich zu hoffen gewagt hatte, denn wer stand plötzlich vor mir? Michael K., unser 1. Trompeter. Er hatte seine Teilnahme wider Erwarten doch möglich machen konnte, so dass ich zumindest einen Partner im Trompetensatz hatte, hinter dem ich mich ein bisschen verstecken konnte.
Wir begannen mit Steps in Time, und Thomas gab uns ein Ziel: "Ohne Probleme einmal durch." Nun weiß unser CMO durch seine langjährige Erfahrung sehr genau, dass man mit dem Thema Zielerreichung behutsam umgehen muss. Deswegen gab es kein Donnerwetter, als der erste Durchlauf nur bis zum Buchstaben F (das Stück endet bei N) gelangte, bevor Probleme auftraten. Insgesamt beurteilte er unsere Leistung bei diesem Stück sogar mit einem verhalten optimistischen "Ganz gut, kriegen wir hin". Na also.
Es ging gleich weiter mit Der Professor. Hier konnte Posaunist Helmut G., bedingt durch die lückenhafte Besetzung, gleich zu Anfang mit einem Solo-Part überraschen, und Thomas gelang es, ihn zu motivieren: "So wie du bist - jung, schön, sportlich, dynamisch - so sollst du auch Musik machen."
Als nächstes Stück folgte Hay Burner - eine meiner persönlichen Top 5-Nummern in unserem Repertoire. Allerdings wollte der Funke heute Abend durch die extrem lückenhaft besetzte Rhythmusgruppe (kein Piano, keine Drums, keine Gitarre) nicht so richtig überspringen, obwohl Armin S. am Bass wie ein Löwe gekämp
Am Ende des Abends standen zwei Nummern von Rainer Tempel: Ohne Worte und An hellen Tagen. Hier packte Thomas seine funkelnagelneue Trompete aus, um die zweite Stimme zu spielen und das eine oder andere Solo beizusteuern. Wenn er nicht spielte, machte sich aber stellenweise Verzweiflung auf dem Gesicht unseres CMOs breit: Verpasste Einsätze, in die Pause gespielte Noten - und das bei Stellen, die wir schon hundert Mal geübt haben. Wenn man seinen Ankündigungen glauben darf, wird Ohne Worte die zentrale Nummer unseres nächsten Mitarbeiterkonzerts (im Juli, SAP-interne Werbung folgt bald) werden, denn er plant eine ganz besondere Ansage, um mit einigen von uns abzurechnen. Offenbar haben wir ihn in den Proben bei diesem Stück doch zu sehr gequält. Außerdem wird derjenige, der in den ersten Takten in die Pause spielt (was fast unweigerlich passieren muss), zu einer empfindlichen Sachspende verurteilt werden. Ich rechnet mir gute Chancen aus.
Was Thomas hier genau plant, kann man nicht wissen. Wahrscheinlich weiß er es selbst noch nicht. Wir können nur auf eines vertrauen: "Wenn ich den Mund aufmache", so unser CMO über sich selbst, "kommt nie etwas Undurchdachtes heraus. Das ist eine meiner großen Stärken." Diese Aussage sollte uns Trost spenden und Kraft geben. Alles wird gut.
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