Alles Banane: Probe am 16. Februar 2011

Lassen Sie sich durch die etwas niedrigere Frequenz, mit der an dieser Stelle Berichte von unseren Proben erscheinen, nicht täuschen. Wir sind weiterhin hochkonzentriert bei der Sache und bereiten uns auf die CD-Aufnahme Ende März vor. Das gilt sowohl für die musikalische Arbeit als auch für den eigentlich unterhaltsamsten Teil der Projektvorbereitung, nämlich die Diskussion über das Cover (für Kenner: sie entspricht in Grundzügen der Diskussion über das Plakat vor dem jährlichen Mitarbeiterkonzert). Details werden aber noch nicht verraten. Es ist schon schlimm genug, dass Sie bei aufmerksamem Studium der Probenberichte herausfinden können, welche Titel auf der CD landen werden. Ich werde mich allenfalls zu einem diffusen Hinweis überreden lassen, aber erst am Ende dieses Berichts.

Kurz vor der Probe forderte ich unseren Konsul Toni D. zu einem kleinem Wettbewerb heraus: Ich wettete, dass ich die F-Dur-Tonleiter schneller spielen könne als er. Natürlich ließ er sich darauf ein und schlug mich mit einem geschickten Schachzug aus dem Rennen. Er sagte nämlich: "F-Dur kann jeder, lass uns Fis-Dur nehmen." Ich persönlich fand das schwierig, weil ich nur bis jeweils drei Vorzeichen kann, also sozusagen die Nordhälfte des Quintenzirkels. Zum Glück beendete Thomas das unwürdige Treiben mit einem scharfen Kommando: "Hört auf damit, Männer, sonst habt ihr gleich schon wieder die Fresse dick." OK. Haben wir halt aufgehört. Er meint es ja nur gut, auch wenn er es nicht immer zeigen kann.

Zu Beginn der Probe glänzten einige Musiker noch durch Abwesenheit, aber Thomas konnte uns beruhigen: "Wir haben ja nur eine CD-Aufnahme vor uns. Also überhaupt kein Grund zum Stress." Getreut diesem Motto ließ er ganz routiniert eine konzentrierte, auf wenige Stücke beschränkte Probe vom Stapel laufen. Es ging los mit Your're Up (Hinsbeeck), gefolgt von Abendlied (Siffling) und The Shadow of Your Smile (Mandel). Diese drei Stücke spielten wir wieder und wieder, zuerst ohne Gesang und nach der Pause mit unserer fantastischen neuen Sängerin, Dagmar K.

Helmut G., Star-Trombonist und Lebenskünstler, zeigte Mut, indem er genau zu Beginn des zweiten Teils eine Banane aus der Tasche zog und zu schälen begann. Genau genommen hätte er ja die Pause, die CMO Thomas S. durchaus großzügig bemessen hatte, zur Nahrungsaufnahme nutzen können, aber er zog es vor, seine Obstration auf den Notenständer zu legen und ab und zu hineinzubeißen.

Hier muss allerdings ein kritischer Gedanke erlaubt sein: Was spielt sich in einem Posaunenmundstück und dem daran angeschlossenen Rohr ab, wenn der Musiker seine Lippen, die einen strahlenden Ton zum Klingen bringen, nur wenige Sekunden vorher in das mehlige Fruchtfleisch einer Banane getaucht hat?

Wir wollen es uns nicht in allen Einzelheiten ausmalen, denn letztendlich muss das jeder auf der künstlerischen Ebene mit sich selbst ausmachen und natürlich die Wartungskosten für das Instrument tragen. Und der Erfolg gibt unserem Helmut ja recht. Wir rechnen eigentlich fest damit, dass er hinter den Kulissen schon mit Thomas über ein ausgedehntes Posaunenfeature auf dem neuen Album verhandelt. Man darf gespannt sein.

Ebenso überraschend wie die Aktion mit der Banane war Thomas' unkontrollierte Reaktion, als Peter im zweiten Teil sein Horn in den Koffer packte und sich an den Rand stellte. Sein Saxofon, so Peter, sei kaputt. Aber das sei ja nicht schlimm, weil Marko D. (ebenfalls Saxofonist) mittlerweile eingetroffen sei. Thomas drehte sich daraufhin um, schaute in Markos Richtung und rief lauthals: "Aber das ist doch Scheiße!" Ich konnte Marko in diesem Moment nicht sehen, kann mir seinen Gesichtsausdruck aber im Detail vorstellen. Ob unser CMO nur in die falsche Richtung geschaut hat oder ob er sich gerade einen militärisch angehauchten Führungsstil angewöhnt, wird man sehen müssen. Die betont funktionale Oberbekleidung, die er heute Abend gewählt hatte, lässt eher auf letzteres schließen, denn mit dieser Jacke (die ich auch sofort tragen würde) ließe sich ohne Probleme auch ein ausgedehntes Manöver durchstehen. Ein Foto gibt es leider nicht, aber ich werde das nachholen.

Der Abend ging zu Ende im Da Savio am Ortsrand von Walldorf, wo unser ewiger Twen Jens W. sich äußerst spendabel zeigte (danke Jens!) Das Essen war gut, und die Art und Weise, wie Dagmar und Thomas den CO2-Gehalt ihrer Rieslingschorle genau analysierten und den armen Kellner zu mehrfachen Nachlieferungen verurteilten, sehr unterhaltsam. Der einzige Punkt, den wir heute Abend nicht besprochen haben, war die Gestaltung unseres CD-Covers. Wobei ich Ihnen davon ja ohnehin nicht hätte berichten dürfen, weil es eine Überraschung sein soll. Es ist auch noch nichts endgültig entschieden, aber es geht sehr stark in die Richtung eines bestimmten Motivs. Lassen Sie uns doch eines unserer beliebten Gewinnspiele daraus machen. Wer das Motiv anhand der folgenden Beschreibung erraten kann, erhält eine unsere CDs (freie Auswahl): Den gesuchten Begriff erhält man, indem man einen Text identifiziert, der sowohl im Matthäus- als auch im Lukasevangelium vorkommt und die ersten beiden Wörter ins Lateinische übersetzt. Ja, meine lieben Leserinnen und Leser, jetzt ist die gute alte abendländische Bildung gefragt. Aber daran sind sie bei uns ja gewöhnt. Raten Sie mit und senden Sie die Lösung an hendrik.achenbach@sap.com. Die ersten drei richtigen Einsendungen zählen als Gewinn.

Alles grün: Probe am 12. Januar 2011

Während einige von uns in der ersten Januarwoche noch im verlängerten Weihnachtsurlaub waren und den Brückentag am 7. Januar (der 6. Januar ist in Baden-Würrtemberg immer arbeitsfrei) gerne mitgenommen haben, ging in dieser Woche der Ernst des Lebens wieder los. Die Menschen strömten mehr oder weniger erholt zurück in ihre Kindergärten, Schulen und Arbeitsstellen, und das nicht immer mit einem Lächeln auf den Lippen. Aber zum Glück erwachen in einem neuen Jahr auch viele schöne Dinge zu neuem Leben, und die SAP BIG BAnd gehört definitiv dazu.


Nach unserem letzten Auftritt im Dezember, von dem mittlerweile einige sehr schöne Fotos vorliegen, hatten wir uns ein paar Wochen Pause gegönnt. Heute Abend fand die erste Probe in diesem Jahr statt, und die ganze Sache ging schon im Vorfeld gründlich schief. Ich hatte der Band in der Woche vor Weihnachten eine E-Mail geschickt, dass die Probenarbeit am 12. Januar wieder losgehen würde (und manche von den Jungs und Mädels lesen meine Nachrichten, ich glaube mittlerweile fest daran). In der Probenplanungsliste auf sapbigband.com hatte ich aber leider den 19. Januar eingetragen. Das Ganze resultierte in einer ziemlichen Verwirrung, die sich zum Glück durch ein Telefonat mit unserem CMO Thomas S. auflösen ließ.

Wo wir gerade von unserem CMO reden: Als wir telefonierten, war der Gute kaum aus dem Weihnachtsurlaub zurück und eben erst gelandet, saß aber schon wieder im Wagen, auf dem Weg zum nächsten Auftritt. Fleißig, fleißig. Trotzdem fand er die Zeit, mich zu fragen, was mein Waschbrettbauch mache. Darüber wollen wir heute nicht schon wieder reden - es gibt nichts Unwichtigeres auf der Welt als meinen Bauch - aber reden wir doch über Thomas. Er selbst hat sich im Urlaub offenbar nur von grünem Tee und Rettich ernährt - zumindest könnte man das meinen, wenn man ihn sich anschaut (das Foto stammt von heute Abend):


Es sieht natürlich ein bisschen so aus, als ob er den Bauch einzieht. Das gebe ich zu. Hier muss es sich wohl um ein Problem mit der Kamera handeln. Aber lassen wir dieses leidige Thema und wenden wir uns der Musik zu.

Die Probe begann mit Stadt-Land-Fluss von Rainer Tempel. Seit heute Abend hat ja offiziell die Vorbereitung für unsere CD-Aufnahme im Frühjahr begonnen, und diverse Tempel-Nummern sind heiße Kandidaten für dieses Album. Dafür, dass wir einige Wochen Pause hatten, klappte es eigentlich ganz gut bei dieser ersten Nummer. Besondere Erkenntise konnten wir nicht gewinnen. Unser CMO hielt lediglich fest, dass (a) unser Konsul Toni D. ein gutes Solo gespielt habe und (b) mein Trompetensound sowohl mit als auch ohne Dämpfer nichts tauge. Also nichts Neues. Allerdings wusste Thomas uns zwischendurch mit einer ersten Vorschau auf seine Autobiographie zu erfreuen, die schon mit großer Spannung erwartet wird (obwohl es noch locker 10 bis 20 Jahre dauern kann, bis sie in den Buchläden liegt). Ein zentrales Kapitel in diesem Buch wird die Konzertreise nach Spanien behandeln, die er im vielversprechenden Alter von 17 Jahren unternahm. Er konnte sich damals mit den Aufsichtspersonen nicht auf eine gemeinsame Position zum Nutzen ausgiebigen Bierkonsums einigen. Eine einsame Heimfahrt im Europabus und ein vorzeitiges Ausscheiden aus der Schullaufbahn konnte wohl abgewendet werden. Trotzdem wird er die Rechnung von damals in seiner Lebensbeschreibung wohl noch einmal aufmachen müssen, und wir unterstützen ihn dabei natürlich nach Kräften.

Es ging weiter mit einem neuen Stück: Jochen Welsch, von dem wir schon einige fantastische Arrangements spielen, hat Männer von Herbert Grönemeyer für Big Band arrangiert. Das Arrangement gilt als schwierig, was Thomas natürlich super findet, weil er uns damit fordern kann. Ich persönlich bin bereit, mich damit auseinanderzusetzen, obwohl ich ja nun wirklich nicht als guter Vom-Blatt-Spieler bekannt bin und mich mit neuen Stücken ohnehin immer schwer tue. Aber bisher hat es ja meistens irgendwann Klick gemacht. Womit ich heute Abend meine Schwierigkeiten hatte, waren die Tempoanweisungen in diesem Stück. Beispiel gefällig?


Wie man sieht, wird hier zu Beginn des Teils "E" angegeben, dass eine punktierte Viertelnote nun einer normalen Viertelnote entspricht. Ich interpretierte das folgendermaßen: Ein längerer Zeitraum (der benötigt wird, um eine punktierte Viertel erklingen zu lassen) wird einem kürzerem Zeitraum (der benötigt wird, um eine normale Viertel erklingen zu lassen) gleichgesetzt. Mathematisch ausgedrückt also 1,5 = 1. Das geht natürlich nicht, aber die Bedeutung ist "länger = kürzer", also: schneller. Denkt man zumindest. Oder, vorsichtiger ausgedrückt, dachte ich zumindest. Gemeint war nämlich, dass das Tempo langsamer werden soll.

Ich ließ mich darauf ein, öffentlich mit unserem CMO über diese Fragestellung zu diskutieren, aber es nunmal leider so, dass er Musik studiert hat und ich nicht und ich in Mathe (das hätte mich retten können) auch immer eine Flasche war. Was soll ich sagen? Ich habe mich bemüht, aber es ist nicht gut ausgegangen. In Zukunft muss ich meinen Intellekt an dieser Stelle wohl einfach abschalten und langsamer spielen, weil er es so will. Hmpf.

Der Rest der Probe lief aber versöhnlich ab, weil Thomas drei Stücke auflegen ließ, die wir schon ein bisschen länger spielen: Der Professor, Don't You Be Worried und Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt. Auch hier handelt es sich natürlich um Kandidaten für unser nächstes Album. Bei Der Professor habe ich unseren Präsidenten Ralf H. vermisst, denn die 3. Trompete, die ich mir bei vielen Stücken mit ihm teile, hat hier ein oder zwei exponierte Stellen, bei denen ich ohne ihn nur teilweise positiv auffallen konnte. Ralf konnte heute leider nicht bei uns sein, aber wir haben viel über ihn gesprochen. Nächste Woche ist er sicher wieder dabei.

Ein Extra-Spezial-Sonderlob erteile ich an dieser Stelle unserer Saxofonistin Edda S. Wie das folgende Bild zeigt, vertrat sie heute Abend zusammen mit Harald S. den Saxofonsatz (alle anderen konnten nicht da sein):


Beim letzten Stück war Harald jedoch nicht mehr da (ein Mann wie er hat eben Termine, Termine, Termine), so dass Edda sich alleine durchschlagen musste, und der Saxofon-Part von Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt ist nicht einfach. Sie hat super gespielt. Sonderlob hiermit erteilt, Stempel drauf und zack, fertig. Weiter so.

Der Abend ging mit einer kleinen Sushi-Verkostung in Walldorf zu Ende (wobei ich selbst mich zu den gebratenen Nudeln mit Hähnchen hinreißen ließ, denn es gibt nichts Besseres als gebratene Nudeln). Wir hatten viel Spaß, gute Gespräche und einen bestens aufgelegten Konsul Deimel, der uns sogar die Getränke spendierte. Warum, wird nicht verraten, aber ich lasse unseren Toni hiermit offiziell hochleben.


Frank unterhielt uns mit interessanten Insiderinformationen über japanisches Essen, so dass ich nun endlich auch weiß, dass Wasabi (haben Sie kürzlich auch den grünen Käse bei Rewe gekauft?) eine Art Rettich ist. Und ganz zum Schluss gab es Grüntee-Eis. Hier schloss sich der Kreis zur mutmaßlichen Urlaubsdiät unseren CMOs (der leider nicht an der Nachbesprechung teilnehmen konnte) auf wunderbare Weise, so dass wir alle an Leib und Geist satt und gestärkt nach Hause gehen konnten.

Auf der Suche nach der Quelle: Probe am 17. November 2010

Unser nächstes Konzert nähert sich mit Riesenschritten. Anfang Dezember wollen wir wieder After Work Jazz für die SAP-Kolleginnen und -Kollegen spielen, und bis dahin gibt es noch viel zu tun. Zum Beispiel Noten sortieren: Heute Abend zeigte sich wieder einmal, dass die Pflege des Notenbestands ein Bereich ist, in dem wir noch wachsen können. So ungefähr um 1000 Prozent. Die erste halbe Stunde ging nämlich wieder einmal dafür drauf, einen Abgesandten in den Keller zu schicken, der den Notenschrank nach den Originalen durchwühlen musste, weil nicht alle ihre Noten dabeihatten.
Die Gründe für diese Probleme sind vielfältig, und niemanden soll hier ein Vorwurf gemacht werden. Trotzdem wage ich einmal die unter Umständen vollkommen haltlose These, dass die Count Basie Big Band in ihren Anfangszeiten dieses Problem nicht hatte. Die bequeme und billige, endlose Reproduzierbarkeit von Notenmaterial, die man damals noch nicht kannte, macht uns vermutlich erst so nachlässig. Zu Zeiten, als jedes Blatt entweder ein Original war, das nicht verlorengehen durfte, oder mühevoll von Hand abgeschrieben wurde, ging man vermutlich anders mit seiner Notenmappe um. Heute holt man einfach die Originale aus dem Keller und macht sich eine neue Kopie.

Aber gut, genug moralisiert! Man weist mich in letzter Zeit ja ohnehin verstärkt darauf hin, dass ich einmal lachen und nicht so griesgrämig sein solle. Also geschwind ein Lächeln aufgesetzt und den Blick nach vorn gerichtet. Alles wird gut. Trotzdem war ich heute Abend heilfroh, dass ich mir vor der Probe eine Stunde Zeit genommen hatte, um in der Sitzecke des Büros meine eigene Notenmappe aufzuräumen. Es moralisiert sich einfach viel entspannter, wenn man ausnahmsweise selbst mal keinen Dreck am Stecken hat.

Vor Beginn der Probe setzte unser CMO Thomas S. einen gekonnten Akzent, indem er mit einem blauen Plastikkopfhörer auf den Ohren durchs Foyer des Walldorfer Schulungszentrums tanzte. Es sah wirklich toll aus. Seine charakterliche Größe liegt aber genau darin, dass er selbst in solchen Situationen nicht zögert, anderen modische Lektionen zu erteilen (von denen ich, das gebe ich unumwunden zu, schon oft profitiert habe). Er erläuterte mir nämlich, dass man auch im November sehr wohl in Sneakers herumlaufen könne, wenn man denn zu Wintersneakers greife. Praktischerweise trug er heute welche, so dass ich mir vor Ort ein Bild der Lage verschaffen konnte. Na gut, so etwas fehlt wohl noch in meinem Schrank. Ich werde daran arbeiten.

Als der Trompetensatz heute Abend vollständig war, fiel uns zum wiederholten Male auf, dass der Palmenbestand in unserer Ecke in letzter Zeit doch deutlich zugenommen hat. Jede Woche scheint ein neuer Silbertopf mit drei Meter hohem Grünzeug dazuzukommen, und Rainer gab heute Abend an der vierten Trompete vor botanischem Hintergrund wirklich ein sehr schönes Bild ab.

Vielleicht sollte er in der nächsten Probe einen Lendenschurz tragen? Das könnte die exotische Stimmung noch unterstreichen. Wir machen uns allerdings Sorgen, dass ihm irgendwann eine Kokosnuss auf den Kopf fällt oder wilde Papageien in seinem Haar nisten. Die Sache gehört beobachtet, sonst läuft sie aus dem Ruder.

Viele Bandmitglieder freuen sich sicher ebenso wie ich darüber, dass unser CMO weitere Stücke von Rainer Tempel besorgt hat. Eine der neuen Nummern - sie heißt Stadt-Land-Fluss - nahm heute die erste Hälfte der Probe ein. Es gäbe viele bemerkenswerte Stellen in dieser Komposition zu erwähnen, doch ganz besondere Aufmerksamkeit verdient der Abschnitt I (nicht römisch eins, sondern iiih). Wir proben das Stück nicht erst seit heute, und ich habe schon mehrfach beobachtet, dass dieser Abschnitt bei mehreren Bandmitgliedern zu reproduzierbaren Reaktionen führt: Sanft entrücktes Lächeln, Hin-und-Herwiegen des Kopfes oder des ganzen Oberkörpers und wissende Blicke, die man sich gegenseitig zuwirft. Meine Analyse lautet: Der Komponist zitiert hier musikalisches Material, das jeder schon einmal gehört hat. Hier zeigt sich wieder einmal, dass die Menschheit offenbar doch über ein gemeinsames kulturelles Gedächtnis verfügt, an dem offenbar auch die SAP BIG BAND zu einem gewissen Teil partizipiert.

Auch bei mir selbst löste der Abschnitt I so etwas wie Wiedererkennen aus, doch ich konnte keine genaueren Angaben machen. Da war lediglich eine diffuse Vorstellung von höfischen Tänzen im 18. Jahrhundert, bei der die Tänzer im Quadrat stehen und sich relativ steif im Raum bewegen. Ich nutzte eine kurze Unterbrechung, um meine Nachbarn Rainer S. und Ralf H. nach ihren Assoziationen zu fragen. Während Rainer das Gespräch auf eine andere Stelle des Stücks zu lenken versuchte, in der er Anklänge von "Ich geh mit meiner Laterne" zu erkennen glaubte, stellte Ralf zunächst die Verbindung mit Kirchenmusik her, um dann auf Purcell oder gar Haydn umzuschwenken. In der großen Pause ging ich dann mit meinem Notizblock zu Frank W., der sich bekanntlich mit klassischer Musik auskennt. Er wusste zunächst von keinen konkreten Assoziationen im Bereich der Klassik zu berichten. Er habe ganz einfach an einen Kinderchor gedacht. Deswegen befragte ich auf meiner Suche nach der Quelle als nächstes unseren musikalischen Direktor, CMO Thomas S. Dieser betritt, dass überhaupt ein musikalisches Zitat vorliege. Den Rest seiner Ausführungen habe ich leider nicht verstanden, so dass ich ihn nicht wiedergeben kann. Er lachte mich aus, als ich eine Gavotte als mögliche Quelle ins Feld führte, aber ich muss leider auch zugeben, dass ich gar nicht genau weiß, was das ist. Das Wort drängte sich mir in diesem Augenblick einfach auf. Das lag vermutlich wieder am gemeinsamen Gedächtnis. Am Ende ist Ralf schuld, weil er an das Wort gedacht hat und es auf geheimnisvolle Weise zu mir rübergeflutscht ist. Na ja. Vielleicht doch eher unwahrscheinlich. Frank rückte am Ende dann aber doch noch mit einer möglichen Zitatquelle heraus, nämlich einer (oder der) Sonate von Scarlatti.

Vielleicht liegt der Zauber der Tempelschen Komposition ja gerade darin, dass jeder das hört, was seiner eigenen musikalischen Genese entspricht? Das Ganze wird wohl ein Rätsel bleiben, wenn der Komponist selbst nicht zufällig mal wieder in diesem Blog vorbeischaut und uns mit einem Kommentar auf die Sprünge hilft. Unsere Auseinandersetzung mit Stadt-Land-Fluss blieb aber keinesfalls auf den akademischen Aspekt beschränkt. Sowohl Peter H. (as) als auch Konsul Toni D. (trp) spielten fantastische Soli, vor denen man nur den Hut ziehen kann. Freuen Sie sich auf das Konzert. Es wird super.

Ich persönlich hatte ein wenig damit zu kämpfen, dass ich am Vormittag eine geschlagene Stunde im Behandlungsstuhl meines Zahnarztes verbracht hatte ("schön weit aufmachen, Herr Achenbach!"). Abends konnte ich immer noch jeden Zahn spüren, und meine Lippenmuskulatur wollte auch nicht mehr so richtig mitspielen. Trotzdem musste ich noch ein wenig durchhalten, denn im zweiten Teil der Probe standen einige Gesangsnummern auf dem Programm, um sowohl unsere neue Sängerin Dagmar K. als auch die Band für das Konzert fit zu machen. Dabei stellte sich heraus, dass der heute abwesende Olli B. - über den schon manches Mal wegen der Lautstärke seines Schlagzeugspiels geschimpft wurde - dem einen oder anderen durchaus auch hilft, im Takt zu bleiben. Wir mussten uns bei No More Blues ohne ihn mächtig Mühe geben, nicht aus der Kurve zu fliegen.

Das Highlight des heutigen Abends war aber die letzte Gesangsnummer (Street Life). Neben einem gewohnt groovigen Saxophonsolo von Harald S. und der Tatsache, dass unser CMO persönlich einige Takte sang, um Dagmar den rechten Weg zu weisen, wird mir vor allem folgende Szene in teurer Erinnerung bleiben: Peter H. spielt die Melodie des langsamen Einleitungsteils auf dem Saxophon. Thomas hat ihn darum gebeten und steht vor ihm, um den Vorgang zu überwachen. Dagmar steht neben Peter und hält ihr Aufnahmegerät in den Trichter seines Instruments. Peter spielt. Die Töne schmelzen dahin. Alle hören gebannt zu. Wunderschön. Aber ist das wirklich das Intro, das wir kennen? Sinn und Zweck der Übung war ja eigentlich, Dagmar die Melodie nahe zu bringen. Gegen Ende der Form sagt Thomas dann: So, jetzt noch mal, und du spielst genau das, was da steht. Es scheint so, als ob Peter das Notenmaterial eher als unverbindliches Angebot interpretiert hat. Aber egal. Schön war's. Alles für die Kunst.

Der Abend ging zu Ende bei einer Probennachbesprechung in der verqualmten Walldorfer Marktstube. Vorher waren wir in mindestens drei Lokalen, um einen Tisch für neun Personen zu finden. Es war aussichtslos. Gab es vielleicht eine Gewinnausschüttung, von der wir nichts mitbekommen haben? Die Themen der Nachbesprechung waren vielfältig wie immer und sollen hier nicht nachgezeichnet werden. Lassen Sie uns Abschied nehmen mit einem Bild. Ihm fehlt ein wenig Licht, und die Gesichter sind auch nicht drauf. Deswegen liefere ich die fehlenden Informationen verbal.

Das Bild zeigt, wie Konsul Toni S. und Piano Man Frank W. ein Tauschgeschäft durchführen. Ein Streifen Flammkuchen mit Speckwürfeln gegen eine halbe Scheibe Krustenbraten. Beide sahen anschließend sehr glücklich aus. Und das ist doch die Hauptsache.

Der Vertrauensvorschuss des musikalischen Direktors: Probe am 27. Oktober 2010

Wenn Sie sich für Musik interessieren und vielleicht sogar selbst in einer Band oder einem Orchester spielen, wissen Sie, wie Generalproben normalerweise ablaufen: Man spielt die Stücke, die man über einen längeren Zeitraum hinweg einstudiert hat, noch einmal durch, um sich optimal auf einen bevorstehenden Auftritt vorzubereiten. Häufig geht dabei durch die Aufregung auch etwas schief, weshalb man unter Musikern gerne den Mythos von der misslungenen Generalprobe weiterträgt, die unweigerlich zu einem gelungenen Auftritt führen müsse.Wenn Sie sich schon ein wenig länger mit der SAP BIG BAND und ihrem charismatischen CMO, Thomas S., beschäftigen, wissen Sie aber auch, dass bei uns die Dinge häufig ein wenig anders sind als bei normalen Bands. Seit letzter Woche haben wir eine neue Sängerin, Dagmar K., und Thomas hat kurzerhand entschieden, dass sie schon am kommenden Freitag beim Konzert in Eberbach mit uns auf der Bühne stehen wird. Nun steht nach zwei gemeinsamen Proben außer Frage, dass wir ihr den Auftritt zutrauen. Wir sollten uns vielmehr fragen, ob wir uns das auch zutrauen, denn eine Sängerin kann natürlich immer nur so gut sein wie die Band im Hintergrund. Zu allem Überfluss hat Thomas (der, nebenbei bemerkt, neuerdings noch einen zweiten Titel, nämlich den des musikalischen Direktors (MD) führt) kurz vor der Probe einige Nummern aufs Programm gesetzt, die wir zwar schon einige Male aufgeführt, aber trotzdem länger nicht gespielt haben. Vermutlich wirkt die erste Probe nach der diesjährigen Sommerpause, bei der wir den CMO mit einer unglaublichen Performance überraschten, immer noch nach. Er vertraut uns einfach. Ob das klug ist?
Kurz vor Beginn der Probe stellte sich heraus, dass ein weiteres Problem zu lösen war. Unser Leadtrompeter Michael K. hatte ein kleines, aber entscheidendes Utensil zu Hause im Schrank stehen lassen und war ohne Mundstück angereist. Dies sorgte für einige Heiterkeit, an der ich mich aber nur vorsichtig beteiligen konnte, weil ich es auch schon einmal fertiggebracht habe, mit einem komplett leeren Trompetenkoffer zur Probe zu erscheinen. Trotzdem mussten wir irgendwie mit der Tatsache umgehen, dass selbst ein sehr guter Trompeter nur über einen sehr eingeschränkten Tonumfang verfügt, wenn er direkt in das Mundrohr bläst. Zum Glück konnte unser Konsul Toni D. aber ein zweites Mundstück in seinem Koffer finden, das sich durch einen extrem tiefen Kessel und eine ansprechende Patina als Original aus der Wiener Kaiserzeit auswies und einmal zu einer Klappentrompete gehört haben muss. Toni zeigte sich als wahrer Gentleman, als er Michael sein silbernes Mundstück auslieh und sich selbst mit dem historischen Zubehör abmühte. Der Trompetensatz erwies sich hier einmal mehr als organische Einheit, die selbst unter Extrembedingungen zu Höchstleistungen fähig ist. Wobei wir beim ersten Stück natürlich noch mit eingeschränkter Kraft spielen mussten, weil unser Präsident, Ralf H., noch im Büro saß und zum Wohl der Firma Überstunden einlegte. Als er dann auch irgendwann auftauchte, konnten wir richtig Gas geben.
Ralf kam übrigens pünktlich zu einer neuen Nummer, die noch gar nicht fertig ist. Die Kenner unter Ihnen wissen, dass sich in unserem Saxofonsatz auch ein kompositorisches Talent verbirgt. Peter H. hat bereits ein Stück, Why Not, für uns geschrieben und arrangiert, das wir auch am kommenden Freitag in Eberbach spielen werden. Heute Abend hatte er das Fragment eines neuen Werks dabei, um es mit der Band zu testen, bevor er weiter daran arbeitet. Mehr wird noch nicht verraten. Selbstverständlich werde ich weiter darüber berichten.
Einige Nummern, die für das Konzert am Freitag auf dem Programm stehen, haben wir auch schon bei den letzten Auftritten gespielt, so dass Thomas großzügig über sie hinwegging. Hier zeigte sich schon wieder dieses waghalsige, ja erschreckende Vertrauen in die Band, das früher bei ihm nicht zu spüren war. Er würde so etwas aber nicht tun, wenn wirklich ein Risiko bestünde. Ist dies ein weiteres Indiz dafür, dass meine im Frühsommer formulierte These von der allmählich erwachsen werdenden Gurkentruppe nicht völlig haltlos ist? Wo soll das noch hinführen? Ein Auftritt im Fernsehen? Ein Platz in den Charts? Oder gar eine goldene Schallplatte?
Die Zukunft liegt wie immer im Nebel. Also halten wir uns an das, was wir wissen. Nach dem Auftritt in Eberbach werden wir uns auf das nächste Konzert für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der SAP (geplant für Anfang Dezember) vorbereiten. Die organisatorischen Vorbereitungen laufen - für viele Bandmitglieder gar nicht sichtbar - im Hintergrund bereits auf Hochtouren, doch in eine entscheidende Frage wurde die Band heute Abend in einem pseudodemokratischen Experiment einbezogen. Es ist eigentlich die wichtigste Frage, die für unsere SAP-internen Auftritte zu entscheiden ist: Was soll aufs Plakat? Nachdem wir in der Vergangenheit sehr häufig gut aussehende Damen als Motiv ausgewählt haben, um den typischen, mit gesenktem Kopf in betriebswirtschaftlich-technische Grübeleien vertieft durch die Gänge laufenden SAP-Mitarbeiter auf uns aufmerksam zu machen, habe ich auch diesmal wieder versucht, unseren weiblichen Fans einen Gefallen zu tun und einen schönen Mann auf dem Plakat zu platzieren. Leider konnte ich mich wie üblich nicht durchsetzen. Zur Auswahl standen diesmal eine Reihe von künstlerisch wertvollen, aber sehr abstrakten Motiven sowie verschiedene Menschen, die entweder jung, weiblich und gutaussehend waren oder alt, verschiedenen Geschlechts und irgendwie anders aussehend. Ein Latin Lover, der die Kolleginnen vom Hocker reißen würde, war nicht dabei. Trotzdem hat unser Pianist und Grafiker, Frank W. wieder ganze Arbeit geleistet. Seine Entwürfe lagen heute Abend als Probeausdrucke vor, und als die Probe vorbei war, organisierte Thomas eine spontane Abstimmung. Pseudodemokratisch war sie deshalb, weil er kurzerhand entschied, dass nur zwei der Entwürfe zur Abstimmung zugelassen waren. Auf meine Frage nach einer Begründung sagte er: "Weil ich das so entschieden habe." Nun ja, in einer Zeit der postmodernen Beliebigkeit ist es vielleicht gar nicht schlecht, wenn jemand mal eine Entscheidung trifft. Zur Auswahl standen die folgenden Entwürfe. (Beachten Sie, dass es sich nur um Vorschaubilder mit geringer Qualität handelt. Nach erfolgter Entscheidung werden wir natürlich eine Nutzungslizenz für das Bild erwerben.)



















Bei der Abstimmung waren leider nicht mehr alle Musikerinnen und Musiker anwesend. Das Ergebnis war zunächst unentschieden (5:5). Dann stellte sich aber heraus, dass Drummer Olli B., der nach der Probe immer damit beschäftigt ist, seine Ausrüstung in den Keller zu schaffen, noch keine Stimme abgegeben hatte und somit das Zünglein an der Waage spielen konnte. Wie er sich letztendlich entschieden hat, weiß ich nicht, denn ich konnte heute Abend leider nicht mit zur Probennachbesprechung gehen. Vielleicht hat sich ja dort eine Entscheidung ergeben. Falls nicht, wäre es interessant zu wissen, wie Sie sich entscheiden würden. Schicken Sie mir doch eine E-Mail, um Ihre Stimme abzugeben. Die ersten drei Einsender gewinnen wahlweise eine Freikarte für unser Konzert in Eberbach (im Wert von 12,00 EUR) oder eine unserer CDs.

Der Champagner des kleinen Mannes: Probe am 29. September 2010

Ein herkömmlicher Probenbericht würde vermutlich zu Beginn erwähnen, dass heute Abend die Generalprobe für unseren Auftritt in Schwetzingen am 13. Oktober 2010 stattfand. Dies ist auch durchaus erwähnenswert, doch viel wichtiger erscheint mir eine andere Tatsache: Heute war eindeutig der Abend des Ralf H. Unser geschätzter Präsident machte nämlich gleich mehrfach von sich reden (später mehr davon). Ich selbst dagegen befinde mich ganz eindeutig auf dem absteigenden Ast. Alles begann damit, dass ich heute Morgen den Fehler machte, auf die Waage zu steigen, wo ich drei neuen Pfunden begegnete, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Ich versuche seitdem, mir einzureden, dass es sich um eintausendfünfhundert Gramm frische Wadenmuskeln handelt, denn ich war in den letzten drei Wochen öfters Joggen als in den sechst Monaten vorher.
Nun mögen sie sich fragen, was meine Gewichtszunahme mit der Bigband-Probe zu tun hat. Nun, es hat sich in den letzten Jahren eingebürgert, dass man in der Probe auch immer auf den körperlichen und modischen Gesamtzustand der anderen achtet und etwaige Schwächen erbarmungslos anprangert. So musste ich mir von den beiden heute anwesenden weiblichen Bandmitgliedern anhören, dass meine neue Kurzhaarfrisur keine gute Entscheidung darstelle und ich auch sonst heute nicht besonders gut aussehe. CMO Thomas S. setzte noch einen oben drauf, indem er sich nun schon zum zweiten Mal darüber mokierte, dass meine Augenringe beim Solospiel so deutlich hervortreten würden. Das war natürlich schon eine geballte Ladung negativer Schwingungen. Man könnte glatt depressiv werden. Ich kann es aber nicht. Das Leben ist einfach zu schön.
Trotzdem dann auch noch das: Die Probe begann mit Heartland. Bei diesem Stück darf ich ein Trompetensolo spielen, was grundsätzlich leichter fällt, wenn man sich schon ein bisschen warm gespielt hat. Zu allem Überfluss fiel mir ein, dass ich in der letzten Woche irgendwie überhaupt nicht zum Trompeteüben gekommen war. Außerdem - was für eine Pechsträhne - war Drummer Olli B. nicht anwesend, der mit seiner Schlagkraft zum einen falsche Töne zu überdecken weiß und zum anderen dafür sorgt, dass ich halbwegs im Takt spiele. All dies führte dazu, dass ich zu Recht - im Gegensatz zu letzter Woche - kein Lob von unserem CMO erntete. Dabei brauche ich seinen Zuspruch doch wie die Blumen das Wasser! Aber es geschieht mir recht. Wer nicht übt, ist selbst schuld.
Nun zurück zu El Presidente Ralf H. Der Gute setzte gleich zu Beginn einen deutlichen Akzent, indem er pünktlich zur Probe erschien. Das ist für Normalsterbliche zwar nur eine durchschnittliche Leistung, doch unser guter Dr. H. bekennt sich normalerweise aktiv zum akademischen Viertelstündchen und schlendert entspannt herbei, wenn die anderen schon mit den Noten kämpfen Nicht so heute - er war von Anfang an dabei, verbreitete gute Laune und hatte auch immer wieder ein freundliches Wort für mich. Dummerweise mag unser CMO es gar nicht, wenn wir nicht aufpassen, und als er uns zum wiederholten Male beim Schwätzen erwischte, sagte er: "Manchmal könnte ich mir vorstellen, euch beide zu trennen." Das wäre natürlich für beide Seiten ein extrem harter Schlag. Wir müssen das irgendwie abwenden.
Glücklicherweise ruhte die Aufmerksamkeit von Thomas S. aber auch noch auf anderen Dingen. Zum Beispiel auf unserem Gasttrompeter Manni K., der heute Abend dabei war, weil er uns auch in Schwetzingen unterstützen wird. Er ließ sich gleich zu einigen Soli überreden, und sein Einsatz bei Quiet Nights of Quiet Stars (Corcovado) verzauberte den gesamten Saxophonsatz derart, dass die Herren und Damen Holzbläser kollektiv den nächsten Einsatz verpassten. Das ist peinlich, aber man kann es verstehen. So ein richtiges Blasinstrument aus Blech klingt eben doch anders. Da lässt man sich gerne mal ablenken und beginnt zu träumen. Vielleicht fragt man sich auch, wie alles gekommen wäre, wenn man sich damals auf der Musikschule anders entschieden hätte. Tja, der Zug ist nun abgefahen. Tut mir leid, aber es hilft ja nichts, um den heißen Brei herumzureden.
In diesem Zusammenhang ist es aber höchst interessant, dass die Geschichte mit dem Saxophon im Hause eines Trompeters (Ralf H.), die letzte Woche ans Tageslicht gelangte, weitere Kreise zu ziehen scheint. Thomas S. wusste aus zuverlässiger Quelle zu berichten, dass Ralf heimlich damit begonnen hat, Saxophon zu üben, um Jochen R. von seinem Platz zu verdrängen. Wir waren schockiert. Immerhin eröffnete der CMO dem Präsidenten, dass er als Altist in dieser Band kein Zukunft haben werde und empfahl eine Bewerbung bei der Porsche Big Band.
Nun, wir werden die Situation weiter zu beobachten haben. Leistungsträger muss man zu halten wissen, wenn man sie nicht verlieren will. Auf der anderen Seite zeigte Ralf gegen Ende der Probe eine leichte Schwäche, die eigentlich nur gespielt und kalkuliert sein konnte. Er beschwerte sich nämlich darüber, dass die straffe Probendurchführung des CMOs ihm nicht einmal die Gelegenheit gebe, seine Kehle mit einem Schluck Wasser anzufeuchten.
Wer in der SAP BIG BAND, die nun einmal als Haifischbecken bekannt ist, eine solche Bemerkung macht, ist nun wirklich selbst schuld. Schon heute Abend zeichnete sich ab, dass die trockene Kehle zu einem Leitmotiv der künftigen Probenarbeit werden wird. So manch einer fasste sich nach einem falschen Ton oder verpassten Einsatz an den Hals und entschuldigte seine schlechte Leistung mit akutem Wassermangel.
Und wie reagierte der Präsident auf diese Sticheleien? Wie ein ganz Großer: In einer kurzen Pause zwischen zwei Stücken verschwand er kurz in der Kantine, kehrte mit einem Glas zurück, tänzelte dann leichtfüßig zum Wasserspender im Foyer und schwebte mit einer ordentlichen Portion Sodawasser auf seinen Platz zurück. Diese genoss er dann demonstrativ in vollen Zügen. Wie dieser Mann, der einen ausgezeichneten Ruf als Weinkenner hat, selbst einfachste körperliche Bedürfnisse nicht nur zu stillen, sondern zu zelebrieren weiß, ist beispiellos. Wir verstanden plötzlich, warum man das Sodawasser auch als den Champagner des kleinen Mannes bezeichnet. Nehmen wir uns ein Beispiel.
Nachdem das letzte Stück gespielt war, fuhr der harte Kern Richtung Nussloch, um ein neues Lokal auszuprobieren. Dessen Name ist mir leider nicht präsent, aber es liegt in der Nähe des Walldorfer Flughafens und hat früher einmal Tante Ju geheißen. Wir haben es uns ja zur Aufgabe gemacht, Newcomern in der Walldorfer Gastronomie eine Chance zu geben und sich einen Platz auf der Liste unserer Stammlokale zu erobern (wo zur Zeit das Tournedo und La Tortuga um Platz 1 kämpfen). Die meisten von uns waren recht angetan - die Platzhirsche auf der Liste müssen sich also ins Zeug legen, um ihre Position zu behaupten.
Wir beschlossen, im Februar oder März 2011 unseren großen Erfolgen einen weiteren hinzuzufügen und eine neue CD aufzunehmen. Natürlich muss die Band diesem Plan noch zustimmen, aber bisher waren unsere CD-Projekte immer eine runde Sache. Deswegen hoffen wir, dass alle mitziehen. Im Hinblick auf das Thema des neuen Albums wurden heute Abend auch schon einige vielversprechende Konzepte diskutiert. Davon eignet sich allerdings nicht alles für den öffentlichen Diskurs. Deswegen machen wir hier einen Schnitt und freuen uns einfach alle gemeinsam auf das Ergebnis. Weitere Details werde ich aber schrittweise in diesem Blog enthüllen - bleiben Sie dran.










Grippeschutz oder gordischer Knoten? Probe am 22. September 2010

Die jährliche Sommerpause ist eine gute Gelegenheit, ein wenig Abstand zu gewinnen und sich wieder auf die Bigband-Probe am Mittwochabend zu freuen. In diesem Jahr dauerte sie unfreiwilligerweise eine Woche länger, weil sich so viele Teilnehmer von der ersten Probe am 15. September abmeldeten, dass uns nur eine Absage blieb. Heute ging es aber wieder los, und es wurde auch Zeit. Schließlich steht schon in wenigen Wochen, am 13. Oktober, der nächste Auftritt an.
Heute ist es fast auf den Tag genau zwei Monate her, dass wir als Band zusammen auf der Bühne standen. Am 23. Juli 2010 spielten wir - mit tatkräftiger Unterstützung von Chris Perschke (Gast-Bandleader) und Jens Loh (Gast-Bassist)  - auf dem Sommerfest von SAP in Walldorf. Der Veranstalter dieses perfekt organisierten Events hatte uns damals mitgeteilt, dass wir um 18.00 Uhr für eine Stunde auf der "Kinderbühne" spielen sollten. Als ich mir die "Location" (so sagt man das im Showbusiness) anschaute, fragte ich mich, wie denn wohl erst die Hauptbühne aussehen würde. Was wir vorfanden, war nämlich eine geräumige Bühne mit anständiger Ausstattung, Scheinwerfern und zwei kompetenten Technikern. Für eine Kinderbühne also ganz ordentlich. Später wurde mir aber klar: Es geht noch größer. Viel größer. Auf der Hauptbühne hätten wir alle im Liegen spielen können, ohne uns in unangemessener Weise oder sonst irgendwie zu berühren. Einfach gigantisch. Sollte es unser Ziel sein, im nächsten Jahr dort oben zu stehen?
Zwei Monate keine Probe - das ist eine lange Zeit. Besonders, wenn man ein Blasinstrument spielt und selbiges während der ganzen zwei Monate in der Ecke stehen lässt. Das führt nämlich oft dazu, dass man in den ersten fünf bis zehn Minuten mit strahlendem Ton und überreichem Volumen spielt, als sei einem die Trompete oder Posaune in die Wiege gelegt worden (zu den Saxophonen, unseren "Holzbläsern" (kicher kicher) kann ich nichts sagen) und dann mit einer schlagartigen Muskelverhärtung in Kiefern und Lippen entweder schrecklich leidet oder sogar aufgibt. Um mir solch ein Schicksal zu ersparen, hatte ich mein Instrument am 13. September aus dem Sommerschlaf geweckt, die Ventile geölt und an den folgenden Tagen jeweils zehn Minuten in den Feierabend hineingetrötet. Als die Probe heute Abend begann, war ich mir aber sehr unsicher, ob dieses leichte Training mich für zwei Stunden mit unserem CMO Thomas S. fit genug gemacht hatte. Das Ganze wurde auch nicht einfacher durch die Tatsache, dass unser Bandleader sich in körperlicher Bestform präsentierte (ich schätze minus 10 Pfund), während ich immer noch 500 Gramm Urlaubsspeck zu viel dabei hatte. Davon abgesehen muss ich aber sagen - so viel darf ich vorwegnehmen -, dass ich mit meiner Performance heute Abend nicht unzufrieden bin. Wir haben zehn Stücke gespielt, bei einer Nummer war sogar ein Solo für mich dabei und auch beim letzten Stück kam noch deutlich mehr als heiße Luft aus der Trompete. Weh getan hat es auch nicht. Vielleicht hat es ja an der Grippeschutzimpfung gelegen, die ich ein paar Stunden vorher beim Betriebsarzt bekommen hatte? Vielleicht stärkt der Impfstoff auf geheimnisvolle Weise die Lippenmuskulatur? Das wäre natürlich eine Sensation.
Aber fangen wir von vorne an: Die Probe begann mit Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt, um uns, so Thomas, "in den Feierabend zu grooven". Bevor wir loslegten, bat der CMO uns darum, es "lautstärketechnisch entspannt" anzugehen, und ich hatte den Eindruck, dass er dabei intensiv in Richtung Olli B. (Schlagzeug) schaute. Dieser fühlte sich auch gleich angesprochen (warum nur?) und versprach, zumindest die ersten Takte leise zu spielen. Abgesehen von der Lautstärke hielt das Stück aber eine Überraschung für uns bereit, denn was passiert normalerweise, wenn die SAP BIG BAND nach zwei Monaten Pause wieder zusammenkommt? Es herrscht Chaos, und musikalisch kommt erst einmal nur ziemlicher Schrott dabei heraus. Nicht so heute. Das klang gleich beim ersten Stück schon sehr respektabel. Thomas S. zeigte sich einigermaßen erstaunt über unser anmutiges Musizieren, mahnte aber gleich dazu, den Tag nicht vor dem Abend zu loben.
Vor dem nächsten Stück hatte El Presidente Ralf H. die Stirn, der Band mitzuteilen, dass ein Mitglied seines Haushalts kürzlich damit begonnen habe, Altsaxophon zu spielen. Saxophon! Im Hause eines Trompeters! Vereinzelt mag diese Neuigkeit ja vielleicht sogar auf Gegenliebe stoßen, aber im Trompetensatz war die Sache klar: Ralf ist raus. Musikalisch ist der Mann erledigt. Wenn wir solch einen Affront durchgehen ließen, könnte ja gleich jeder machen, was er will. Unglaublich so etwas.
Nun gut, wir mussten uns trotzdem irgendwie sammeln, denn die nächste Nummer lag schon auf den Notenständern. Es handelte sich um Don't You Be Worried, eine groovige Soulnummer, bei der man schön Solo spielen kann. Leider muss ich in diesem Zusammenhang aber eine ganz fiese Geschichte aufdecken. Normalerweise spielt Clemens J. das Saxophonsolo bei diesem Stück. Auch heute wäre dies sein Solo gewesen, doch bevor er das Instrument zum Munde führen konnte, war Jochen R. zur Stelle und schnappte ihm den Solopart mit eiskalter Präzision vor der Nase weg. War das eine verspätete Reaktion auf die ganz ähnlichen Ereignisse bei unserem letzten Probenwochenende, wo Jochen der Leidtragende war? Wir können es nur vermuten. Er war mit seiner Aktion allerdings nicht erfolgreich, denn Thomas S. schritt mit ruhiger, aber dennoch mitleidslos strafender Hand ein, um die Ordnung im Satz wiederherzustellen. Und nur wenige Momente später teilte diesselbe Hand das Trompetensolo unserem geschätzten Präsidenten zu, obwohl ich mich nicht erinnern kann, dass er es schon einmal gespielt hätte. Ist das gerecht? Nein. Ist es konsequent? Wohl kaum. Müssen wir es verstehen? Zum Glück nicht. Entscheidend ist, dass die Band auch dieses Stück sehr gut spielte, so dass Thomas S. sich weiter wundern musste. Er führte diesen unerwarteten Erfolg dann aber auf die Einfachheit der ersten beiden Nummern zurück und ließ ein anspruchsvolles Stück von Rainer Tempel auflegen. Als diese Nummer - sie heißt An hellen Tagen - auch zu Ende gespielt war, gab er sich geschlagen und fragte ungläubig: "Habt ihr letzten Mittwoch geprobt?". Was für eine Sensation! Das war noch nie da.
Gehen wir also kurz in die Analyse. Warum hat es heute Abend so gut geklappt? Ist es vielleicht wirklich so, dass die Gurkentruppe allmählich erwachsen wird? Ich hatte so etwas ja schon nach dem Probenwochende vermutet. Oder waren die anderen heute auch alle bei der Grippeschutzimpfung? Dann sollten wir unbedingt ein paar Paletten des diesjährigen Impfstoffes einlagern, denn nächstes Jahr wird er ja schon wieder ganz anders aussehen. Vielleicht ist es auch so, dass eine exakt zweimonatige Sommerpause in besonderer Weise der biologischen Disposition des durchschnittlichen Amateurmusikers entspricht und sich förderlich auf die musikalische Leistungsfähigkeit auswirkt? Alles gut möglich, aber es gibt auch noch eine andere Erklärung. Wie eingangs schon erwähnt, hätte die erste Probe nach der Pause eigentlich schon letzte Woche stattfinden sollen, musste aber wenige Stunden vor Beginn abgesagt werden. Vielleicht ist dadurch ja sozusagen ein gordischer Knoten geplatzt. Alle waren fürchterlich aufgeregt vor der ersten Probe, weil ihr Instrument seit zwei Monaten in der Garage gestanden hatte. Und da bekamen sie durch eine glückliche Fügung eine Schonfrist von einer Woche geschenkt, gingen nach Hause und trugen das Saxophon, die Posaune, die Trompete, den Bass, das Schlagzeug, die Gitarre und das Klavier hoch erhobenen Hauptes an der Garage vorbei ins Wohnzimmer und übten fürderhin was das Zeug hielt. Ja, ich glaube, so muss es gewesen sein. Deswegen beendete unser CMO die Probe zu Recht mit einem knappen, aber anerkennenden Kommentar: "Gut. Vielen Dank. Erstaunlich." Starposaunist Helmut G. antwortete darauf im Namen der Band: "Nächste Woche wird es bestimmt wieder besser." Vermutlich hat er Recht. Genießen wir den Erfolg, solange er währt. Prost.



Das Flügelhorn des Konsuls: Probe am 14. Juli 2010

Heute Abend war sozusagen die Stunde Null. Man könnte auch sagen: Der Tag eins nach dem Gurkenkonzert, zumindest was unsere Proben angeht. Was ich Ihnen mit diesem kryptischen Gefasel eigentlich sagen will, ist, dass wir letzte Woche Donnerstag das wichtigste Konzert in diesem Jahr gespielt haben - das Mitarbeiterkonzert bei SAP mit Vorstellung des neuen Programms - und heute deswegen eigentlich eine große Perspektivlosigkeit hätte herrschen müssen. Wenn man so lange auf ein Ziel hinarbeitet, besteht immer die Gefahr, in ein Loch zu fallen, wenn es (das Ziel, nicht das Loch) erreicht ist.
Glücklicherweise war auch die heutige, erste Probe nach dem Mitarbeiterkonzert gleich wieder eine Generalprobe, denn am Sonntag spielt die Band in der Villa Rustica in Hirschberg an der Bergstraße. Die Probe begann mit Cubano Chant, und unsere Leistung bei dieser Nummer schien unseren CMO Thomas S. leider überhaupt nicht zu überzeugen. Zumindest hat er uns gleich nach diesem ersten Stück ordentlich zusammengefaltet und gerade dem Trompetensatz noch einmal erläutert, dass das häusliche Üben zwar generell überbewertet werde, in unserem Fall aber durchaus helfen könne. Aua aua.
Durch diese Ansprache aufgeweckt und motiviert, arbeiteten wir uns durch das erste Set des Konzerts. Einzelne Bandmitglieder wurden dabei jedoch zunehmend unruhig. Dabei handelte es sich vor allem um die Besitzer von (a) Cabrios oder (b) Autos im Wert von 90.000 Euro, oder, einfacher gesagt, Anja R. und Thomas S.
Wir konnten durch das gläserne Dach des Walldorfer Schulungszentrums, in dessen Foyer wir normalerweise proben, nämlich genau beobachten, wie sich draußen ein ordentliches Unwetter zusammenbraute. Anja hatte wohl eher Angst vor einer Überschwemmung der Fahrgastzelle und konnte das Problem durch einen kurzen Besuch auf dem Parkplatz lösen. Thomas dagegen fürchtete Hagel, kam aber nicht auf die Idee, seinen Wagen ins Parkhaus zu fahren. Kurze Zeit später gab es einen ordentlichen Schlag und die Deckenbeleuchtung ging aus. Die Band wurde nur noch von der Seite angestrahlt und in ein märchenhaftes Licht getaucht. Hier durfte ich die Entdeckung machen, dass Olli B. im Schattenwurf an der Wand noch viel besser rüberkommt als in Wirklichkeit. Irgendwie kantiger, markanter, männlicher. Und vor allem leiser. Wirklich toll.
Irgendwann konnten die Wolken ihre Fluten nicht mehr halten, der Regen (kein Hagel - 90.000 Euro gerettet) prasselte herab, die Luft wurde kühler und feuchter und mir wurde schon beim hohen F schwindlig. Ich scheine auf meine alten Tage wetterfühlig zu werden. Mit Müh und Not erreichte ich die Pause, in der mir unsere neue, starke Frau am Baritonsaxofon, Anna T., netterweise ein Glas Wasser servierte, damit ich wieder auf die Beine kommen würde.
Auch Thomas S. servierte uns in der Pause Nettigkeiten, denn er bescheinigte uns in seinem Rückblick auf das Konzert in der vergangenen Woche eine gute Leistung ohne musikalische Fehler. Darauf können wir stolz sein! Wir stiegen auch kurz in die ewige Diskussion über unsere musikalische Ausrichtung ein (eingängige Standards versus individuelle Profi-Arrangements), beschlossen aber, das Thema auf die nächste Hauptversammlung zu vertagen. Schließlich gab es noch einiges für das zweite Set des Hirschberg-Konzerts zu proben. Ein absolutes Highlight in diesem Teil der Probe war - wieder einmal - das Stück Ohne Worte. Jochen R. und Konsul Toni D. hatten mich mit ihren Soli bei diesem Stück während des Probenwochenendes wirklich tief berührt (ich sage das ohne Ironie) und insofern die Messlatte sehr hoch gelegt. Heute Abend lagen die Noten für die Solo-Trompetenstimme nicht vor, so dass Toni seinen Teil nicht spielen konnte.
Deswegen lieh Thomas S. sich kurzerhand das Flügelhorn des Konsuls aus, spielte seinen Part von der Partitur ab und übernahm auch gleich das Solo. Jochen konnte heute Abend nicht anwesend sein und wurde von Michael G. mehr als würdig vertreten.
Kommen Sie also unbedingt am Sonntag nach Hirschberg - alleine wegen dieses Stücks lohnt es sich.
Ich selbst durfte gegen Ende wieder das Solo bei Heartland spielen, an dem ich schon viel Freud und Leid erfahren habe. Wenige Takte vor der Soloform reichte ich Thomas mein Handy (mit eingeschalteter Kamera), weil ich ein einziges Mal auch im Probenbericht abgebildet sein wollte.
Er nahm dann auch gleich noch sein iPhone (ich glaube zumindest, dass es eins war) und fertigte eine Tonbildaufnahme meines Solos an. Es tut mir natürlich unheimlich leid, dass ich Ihnen das jetzt zumuten muss, aber wenn er sich schon so viel Mühe gibt, soll sie nicht umsonst gewesen sein. Sobald er mir das Video geschickt hat, werde ich es ohne Rücksicht auf Verluste hier einstellen. Schonungslos. Die Wahrheit muss ans Licht.
Gänzlich unerwartet passierte dann heute Abend beinahe etwas, von dem wir schon lange träumen. Wie Sie als eifrige Leser dieses Blogs wissen, heißt unser größter und treuster Fan Frl. Czernatzke. Sie meldet sich immer mal wieder hier zu Wort, gibt sich aber betont geheimnissvoll und hütet ihre wahre Identität. Nur El Presidente Ralf H. weiß, wer sie ist, und er schweigt wie ein Grab. Heute Abend erhielt er tatsächlich während der Probe eine SMS von ihr, in der sie sich ein bestimmtes Stück wünschte, weil sie in Hörweite sei! So nahe sind wir uns vermutlich selten gekommen, und doch bleibt ihr Geheimnis bestehen. Sie war kurz bei uns, gab sich aber nicht zu erkennen und verschwand wieder hinter dem Schleier ihrer Ungreifbarkeit. Schluchz. Es hat nicht sollen sein.
Der Abend endete trotzdem versöhnlich. Man traf sich im Erbprinz in Walldorf und bestellte kräftige Speisen zur Erbauung und Stärkung. Thomas S. schwamm dabei aber etwas gegen den Strom, weil er gerade dabei ist, seine Bikinifigur für den Toskana-Urlaub vorzubereiten. Er hielt sich an Wasser und Salat und schaffte es tatsächlich, keine einzige meiner Bratkartoffeln (auf denen ein ordentlicher Batzen Fleischkäse mit Spiegelei ruhte) zu klauen. Respekt. Ich fühlte mich nach dieser ebenso späten wie opulenten Mahlzeit auch wirklich schuldig, während Thomas mit aufrechtem Haupt und schlanker Linie nach Hause gehen konnte. Dafür hat er sicher jetzt schlechte Laune. Hungern macht nicht glüclich. Letztendlich war das aber alles nichts gegen die Orgie, die unser Konsul Toni D. veranstaltete. Er hatte nur einen Joghurt zu Mittag gegesseen und sich durch das mit Kreide angeschriebene Tagesgericht "Spare Ribs mit viel Fleisch" locken lassen. Solche Formulierungen sind ja häufig übertrieben, aber in diesem Fall hätte selbst "Fette Fleischplatten mit Knöchelchen" nur ungenügend beschrieben, was Toni auf seinem Teller wiederfand.
Als der Rest der Runde schon beim Espresso war, steckte er immer noch bis zu den Schultern zwischen den Rippchen und bahnte sich seinen Weg durch die Fleischmassen. Am Ende musste er sich geschlagen geben und einen Teil zurückgehen lassen, aber ich bin sicher, dass er heute Nacht gut schlafen wird. Zumindest wenn er auf dem Rücken liegt.
Wir haben übrigens zwischen Rippchen, Bier und Salatblättern auch wichtige Themen erörtert. Schließlich heißt das Ganze "Probennachbesprechung". Wichtigstes Thema: Wir sollten bald mal wieder eine CD aufnehmen. Ob das Motto dieses neuen Albums Straight European Jazz heißen wird oder anders, steht noch in den Sternen. Wir spielen jetzt noch zwei Auftritte (Hirschberg und SAP-Sommerfest) und dann machen wir eine Pause. Anschließend kümmern wir uns um die Sterne. Es ist nie zu spät, nach ihnen zu greifen.