Blogbeiträge ab 2012 auf www.sapbigband.com
Ohne Zwischenräume: Probenwochenende 2011
Freitag:
- Anreise, Abendessen, drei Stunden Probe
- Party bis drei Uhr morgens
- Kopfweh und von morgens bis abends Probe
- Abendessen (auswärts)
- 2 Stunden Abschlussprobe des kompletten Programms für das Jahreskonzert bei SAP
- Essen, Aufräumen, Abfahrt
Ein noch größeres Vergnügen aber macht mir die Lektüre der Kladden mit meinen Reise-Notizen. [...] Trotz ihrer Verspanntheit und ihres Überschwangs erregen mich diese Notizen. Irgendetwas steckt in ihnen, irgendetwas wirkt weiter auf mich. Hätte ich bloß auf die überdrehten Partien verzichtet, und hätte ich meinen Gefühlen bloß nicht derart oft unkontrolliert Raum gelassen: As-Dur, das ist die zärtlichste, aber auch traurigste Dur-Tonart überhaupt! ... Beethoven und Schubert haben in As-Dur gedichtet!
(Hanns-Josef Ortheil: Die Erfindung des Lebens, Genehmigte Taschenbuchausgabe, München 2011, S. 567 ff.)
Der neue Silvio: Probe am 16. November 2011
Deswegen ist zur Zeit auch wieder ein erhöhtes E-Mail-Aufkommen zu verzeichnen, denn es gibt viel zu klären. Die wichtigste Frage ist natürlich wie immer die nach dem Plakat für das Mitarbeiterkonzert, die uns alljährlich Gelegenheit bietet, endlos über Details zu diskutieren, die wir gar nicht verstehen. Diese Diskussion spitzte sich heute um 10.24 Uhr zu, als unser CGO (Chief Graphical Officer) Frank W. folgendes feststellte:
also nachdem dagmar, jens und thomas alle 3 für GELB stimmen (s.u.), hoffe ich, dass das auch bei ralf und hendrik so ist/sein wird. ich werde also heute abend mal einen "gelben" ausdruck für eine finale (kurze?) diskussion mitbringen.Ich hatte meine Präferenz für "GELB" (die Farbe eines bestimmten Schriftzugs auf dem Plakat) schon vorab angedeutet, so dass alleine diese E-Mail schon dazu führen musste, Ralf in eine einsame Ecke zu stellen, aus der er kaum noch herauskommen konnte. Kurz darauf, nämlich genau um 10.26 Uhr, also zwei Minuten nach Franks Feststellung, kam es aber noch schlimmer. Unser CMO Thomas S. meldete sich zu Wort:
so machen wir das wenn unser Allmächtiger Präsident Ralf Silvio B. Hübel nichts dagegen hat :-) ich würde es dann einfach als so ist es Heute Abend verkaufen und nicht noch mal eine Diskussion vom Zaun brechen lassen oder?Der Wunsch, keine Diskussion mehr zu führen, ist natürlich als rhetorisches Geplänkel einzustufen, denn Thomas ist seit vielen Jahren unser CMO und weiß genau, dass wir über jeden Mist gerne und ausgiebig diskuieren. Der wirkliche Skandal verbirgt sich in den beiden zusätzlichen Vornamen, die er Ralf hier unterschiebt, denn heute Abend stellte sich leider heraus, dass - mit Ausnahme des Präsidenten selbst - niemand diese Anspielung kapiert hat. Niemand. Das ist schon erschreckend, oder? Ich glaube, Thomas wird in nächster Zeit immer eine Partitur von In the Mood griffbereit haben, um bei Bedarf die Reißleine ziehen zu können (die letzte Bemerkung können Sie nur verstehen, wenn Sie entweder ein sehr aufmerksamer Blog-Leser sind oder bei unseren Konzerten extrem gut aufpassen, was der CMO so alles sagt).
Obwohl heute Abend eigentlich Generalprobe für nächsten Dienstag war, zögerte unser CMO nicht, auch neue Stücke aufzulegen (zum Beispiel die Gesangsnummer Sway, die nach seiner Aussage "jeder kennt", was wieder mal heißt: "Jeder außer mir"). Genauso wenig wird er zögern, diese neuen Stücke auch am Dienstag beim Auftritt aufzulegen. Unsere wunderbare Sängerin Dagmar K. darf also am Wochenende fleißig Texte lernen, aber was will man bei diesem Wetter auch sonst machen. Überhaupt war die Probe heute Abend sehr gesangslastig, und Dagmar ließ sich bei Teach Me Tonight (der Titel animiert Thomas immer zu total lustigen Assoziationen) sogar zu einem Verbesserungsvorschlag hinreißen: "Ich könnte am Schluss noch ein bisschen HaHaHaHaHa machen". Erstaunlicherweise legte Thomas diesen konstruktiven Vorschlag aber ganz schnel zu den Akten ("Nöö").
Leider muss ich auch einen sehr kritischen Punkt ansprechen: Unser CMO drehte dem Trompetensaz heute Abend fast permanent den Rücken zu. Das ist nicht schön. Ich sprach ihn darauf an, aber meine Bedenken wurden leichtfertig ignoriert ("von hinten sehe ich am besten aus"). Was ist da los? Natürlich brauchen die Posaunen und vor allem die Saxofone eine intensivere musikalische Betreuung als wir. Das ist ganz klar, die Trompeten sind da einfach ein ganzes Stück weiter. Teilweise spielen die Holzbläser (kicher) ihre "Hörner" mit einer Hand. Das geht nun wirklich nicht. Aber trotzdem, so ab und zu ein Lächeln vom Chef tut auch den Überfliegern gut. Aber da war nichts, rein gar nichts. Ich finde das ganz schade.
Trotz alledem trafen wir uns noch auf ein Gläschen zur Probennachbesprechung. Dort durfte ich erfreut feststellen, dass es neben uns Ochsen (ich sage nur, Silvio B.) auch gebildete Menschen in der Band gibt. Ich zog nämlich meinen Original-Moleskine-Reporterblock aus der Tasche. Moleskine, Sie wissen es, liebe Leserinnen und Leser, ist das "Notizbuch der europäischen Intellektuellen". Dessen Besitz stellt in meinem Fall natürlich nichts als einen verzweifelten Versuch dar, ebenfalls zu den gebildeten Menschen zu gehören. Während ich einige der Anwesenden mit diesem Utensil an einen Tatortkommisar oder gar Inspektor Columbo erinnerte (der Reporterblock wird nach oben, nicht zur Seite umgeblättert), machte Anna T. genau die richtige Bemerkung: "So einen hatte Hemingway doch auch". Genau! Das ist es! Hemingway hatte einen. Ich habe einen. So fügt sich eins zum anderen. Solche Bemerkungen sind OK, Anna, völlig OK.
Bei der Nachbesprechung wurden übrigens entscheidende Weichen für das Gelingen des Probenwochenendes gestellt, indem wir die folgenden Punkte festlegten:
- Wir veranstalten nach der Freitagsprobe einen Gin/Tonic-Umtrunk (viel Glück).
- Ralf, Toni und Thomas fahren in meinem Auto mit und veranstalten unterwegs eine Kurz-Weinprobe (viel Glück!).
Man kann den Grundton auch mal spielen: Probe am 7. September 2011
CMO Thomas S. eröffnete die erste Probe nach der Pause mit der Ankündigung, dass von nun an alle Proben auf unser Jahreskonzert am 8. Dezember ausgerichtet sein würden, auch wenn wir vorher noch andere Termine hätten. Dann stellte er die entscheidende Frage: "Wer hat sein Instrument in den letzten Monaten einmal zur Hand genommen?" Einige verhaltene Meldungen. Zweite Frage: "Wer hat sein Instrument in den letzten Monaten mehr als einmal zur Hand genommen?" Da wurde es schon eng. Nun muss man aber auch offen mit der Tatsache umgehen, dass die Instrumente in einer Bigband sich im Hinblick auf den erforderlichen Körpereinsatz stark von einander unterscheiden.
Die Saxophone haben gar kein richtiges Mundstück, sondern eher so eine Art Lutscher, und brauchen folglich auch nichts von dem, was die Bläser als "Ansatz" bezeichnen. Die Rhythmusgruppe macht alles mit den Händen, die man ja ohnehin täglich im Einsatz hat und trainiert. Eventuell muss unser Gitarrist Jens W. sich wieder ein bisschen Hornhaut draufspielen, aber ansonsten passt das schon. Die Posaunen haben zugegebenermaßen ein vollwertiges Blechbläsermundstück, aber auf der anderen Seite ist es so riesig, dass man zur Not das halbe Gesicht darin verschwinden lassen und mit der Kiefermuskulatur intonieren kann. Insofern kam es mal wieder auf uns Trompeten an. Wir haben uns bei der ersten Nummer, Albaufstieg, ganz gut verkauft, aber als es dann mit Basie - Straight Ahead weiterging, wurde die Luft schon etwas dünner. Bei Blues for Kapp gab es einige Probleme mit der Basstimme, weil Armin S. die Notenblätter in der falschen Reihenfolge aufliegen hatte, aber letztendlich ist das bei einem Blues ja auch egal, wenn man das mit den 12 Takten richtig hinkriegt. Eine weitere Nummer vor der Pause war Chameleon von Herbie Hancock. Unser CMO ist davon überzeugt, dass das eine richtig geile Nummer ist. Ich selbst glaube, dass die Jungs Anfang der 70er so einiges geraucht haben, um diese Musik noch viel besser zu finden, aber ich füge mich ja grundsätzlich dem Willen unseres Chefs und spiele brav mit.
Nach der Pause ging es mit unserer wunderbaren Sängerin Dagmar K. und Stücken wie Girl Talk oder Till You Come Back To Me weiter. Für mich wurde es dann bei Mercy Mercy Mercy interessant. Wie Sie wissen, bin ich stets bereit, mangelnde Virtuosität durch ungebrochenen Mut zum Solo zu kompensieren. Trotzdem hatte ich mich bis fast zum Schluss zurückgehalten. Bei dieser Nummer konnte ich dem Aufruf unseres CMOs, wer denn wohl ein Solo spielten wolle, aber nicht widerstehen und meldete mich. Es lief auch so weit ganz gut, aber nach dem Stück konfrontierte er mich mit dem alten Stereotyp, dass meine Phrasen stets auf dem C endeten.
Natürlich ist das hier und da schon vorgekommen, doch heute Abend fühlte ich mich zu Unrecht kritisiert. Zum einen war das Stück für mich in D-Dur notiert und meine Phrasen endeten stets auf dem D. Der Fachmann wird hier natürlich gleich einwenden, dass dies bei einer B-Trompete einem klingenden C (wie es auf einem Klavier gespielt klingen würde) entspricht. Ich sage das so deutlich, um unserem hochverehrten CMO, Herrn Hochschuldozenten Thomas S., zu zeigen, dass ich mittlerweile ein profundes Wissen über die obere Hälfte des Quintenzirkels aufweisen kann. Zum anderen finde ich, dass es für jemanden, der niemals Einzelunterricht genießen durfte und außerdem so kurze Finger hat, dass er mit Mühe und Not die Ventile herunterdrücken kann, schon eine beachtliche Leistung ist, mit schlafwandlerischer Sicherheit auf dem Grundton zu landen. Deswegen stellte ich Thomas nach der Probe zur Rede. Das klang etwa so:
Hendrik: "Thomas?"
Thomas: "Ja, Hendrik?"
Hendrik: "Der Ton, auf dem ich bei meinem Solo gelandet bin, war kein C."
Thomas: "Bist du sicher?"
Hendrik: "Ja, da waren zwei Kreuze."
Thomas: Greift zur Partitur. "Überlegt dir noch mal, ob du dabei bleiben willst."
Hendrik: "Ja."
Thomas schlägt die Partitur auf, sieht die zwei Kreuze, schlägt die Partitur wieder zu.
Hendrik: "Außerdem finde ich, dass es für jemanden mit meinen Fähigkeiten eine beachtliche Leistung ist, sozusagen aus dem Bauch heraus auf dem Grundton zu landen, und ich finde, dass du diese musikalische Entwicklung extrem kritisch begleitest."
Die Umstehenden: lachen
Thomas: "Also ich freue mich natürlich extrem über deine musikalischen Fortschritte."
Hendrik: "Das war gelogen."
Thomas: "Aber es ist nun mal so, dass es im Jazz nicht so gut ankommt, wenn man den Grundton spielt."
Hendrik: "Das heißt, ich muss mir den Grundton denken, aber dann zum Beispiel eins höher spielen?"
Thomas: "Ja, oder die Terz. Man kann den Grundton auch mal spielen, ich mache das auch, aber eben nicht so oft."
Ich habe schon irgendwie das Gefühl, dass ich als Sieger aus dieser Auseinandersetzung hervorgegangen bin, aber ich muss trotzdem noch mal darüber nachdenken.
Die Nachbesprechung der Probe fand in einem italienischen Lokal in Walldorf statt, dessen Namen ich vergessen habe. Nachdem wir das Essen bestellt hatten - für mich Spaghetti mit Thunfisch, Tomaten, aber ohne Zwiebeln - schwelgten wir in Erinnerungen an unseren Präsidenten Ralf H., der heute Abend leider nicht dabei sein konnte. Dann kam das Essen. Der Kellner stellte die Spaghetti auf den Tisch, doch kaum hatte ich mit der Gabel die ersten Zwiebelstücke identifiziert, drängte der Koch sich nach vorne, informierte mich, dass der das mit den Zwiebeln leider vergessen habe, und nahm den Teller wieder mit. Nach einigen Minuten, die ich damit verbrachte, den anderen beim Essen zuzuschauen, kamen die Spaghetti ohne Zwiebeln. Neben den Nudeln, dem Thunfisch und den Tomaten, die grundsätzlich ein durchaus wohlschmeckendes Ganzes bildeten, befand sich im Teller aber eine beachtliche Menge Flüssigkeit, die vermutlich der gebotenen Eile geschuldet war. Deswegen verweigerte ich nach einigen Bissen die Nahrungsaufnahme, was aber wirklich nicht tragisch war. Mein Hunger hielt sich in Grenzen und ich war bereit, die ganze Sache einfach abzuhaken.
Als der Kellner beim Abräumen merkte, dass ich kaum etwas gegessen hatte, erkundigte er sich nach dem Grund, und bat mir daraufhin an, einen Salat oder eine andere Speise als Ersatz zu servieren. Ich lehnte dies ab, weil ich nicht sehr hungrig war und in den nächsten Minuten aufbrechen wollte. Kurze Zeit später kam er aber wieder und fragte im Auftrag der Küche, ob ich eine Portion Tiramisu akzeptieren würde. Ermutigt durch den johlenden Rest der Bigband stinmte ich zu, um kurz danach einen Nachtisch in der Größe eines Ziegelsteins serviert zu bekommen.
Zum Glück hatte ich die Geistesgegenwart, um zusätzliche Löffel zu bitten, und wurde auch nicht enttäuscht. Die Jungs und Mädels haben sich quer über den Tisch gelegt und dem Tiramisu-Ziegelstein in etwa 90 Sekunden den Garaus gemacht.
Sie sehen, wir haben nach wie vor kein leichtes Leben, sind aber trotzdem weiterhin wild entschlossen, tolle Musik für Sie zu machen.
Der Angriff des Konsuls: Probe am 8. Juni 2011
- Wir haben vor einigen Wochen eine neue CD aufgenommen, die sich zur Zeit im Presswerk befindet. Wie sie klingen wird, wissen wir noch nicht, denn unser CMO Thomas S., bei dessen Plattenlabel Personality Records das Album erscheinen wird, hockt auf dem fertig gemischten Master wie die Glucke auf den Eiern. Eigentlich macht er das genau richtig, denn mit jedem Tag steigt die Spannung und die Vorfreude. Trotzdem können wir es natürlich kaum erwarten.
- Am 19. Juni um 11.00 Uhr tritt die Band beim Jazzfrühschoppen auf dem Hockenheimer Gartenschaugelände auf. Eingeladen hat uns die Schwetzinger Zeitung. Wir freuen uns schon sehr auf diesen Auftritt, bei dem wir nicht nur Stücke von der neuen CD spielen werden, sondern - wenn in der Produktion alles klappt - das Album erstmals zum Verkauf anbieten werden.
Ich hatte bei der CD-Aufnahme das - im Nachhinein durchaus als zweifelhaft zu bewertende - Vergnügen, bei diesem Stück ein Solo einzuspielen. Die Vorbereitung zu Hause hatte zur Folge, dass ich in dem Thema, das ich mir ausgedacht hatte, vollkommen gefangen war und wahrscheinlich noch beim 53. Take dieselben Noten gespielt hätte. Außerdem endeten alle Phrasen, wie von Geisterhand geleitet, auf dem C. Es ist ja an und für sich auch eine klare, saubere und schöne Note, aber ich hatte das Gefühl, dass unser musikalischer Direktor sich ein wenig mehr Variabilität gewünscht hätte. Auf jeden Fall kommentierte er meine Performance mit dem Hinweis, dass man erst nach vielen Jahren Praxis im Studio nicht mehr frustriert sei.
Nachhaltige Kunst: Probe am 13. April 2011
G oder Gis? Probe am 16. März 2011
Da wir so lange nichts von einander gehört haben, schlage ich vor, dass wir uns heute wieder einmal im Detail mit unserer Musik auseinandersetzen. Mir ist klar, dass "Musik" eher als ungewöhnliches Thema gelten muss, wenn man sich die letzten 113 Probenberichte anschaut, in denen es häufig um Frisuren und Figuren ging. Oder um Kleidung. Vielleicht ganz kurz dazu: Posaunist Helmut G. bewies heute Abend wieder einmal Mut zur Mode, denn er lief in einem T-Shirt mit dem neuen SAP-Logo auf:

Ein Mann wie er kann alles tragen, aber das ist schon etwas ganz Besonderes, oder? Hinweis: Er ist auf dem Foto von hinten zu sehen. Von vorne sieht er noch mal einen Tick besser aus, aber das Logo war leider auf der Rückseite.
So, nun aber Schluss. Konzentrieren wir uns wie versprochen auf die Musik und schauen wir doch mal, was heute Abend so auf dem Notenständer lag.
You're Up
Bei diesem Stück gab es eigentlich keine großen Auffälligkeiten. Thomas probierte am Anfang lediglich einen Einfall des Komponisten aus, in welchem nachträglich noch der Wunsch nach einer Generalpause mitten im Stück aufgestiegen war. Die Idee wurde jedoch abgelehnt, was der Künstler mit Fassung zu tragen wusste. Der Künstler, das ist unser Saxofonist Peter H., der nun schon seine zweite Komposition in die Band eingebracht hat (nach Why Not, einer Nummer, die wir im vergangenen Jahr extrem oft und mit wachsender Begeisterung gespielt haben).
Der Professor
Wir spielen dieses Stück seit einer ganzen Weile und haben es auch schon live aufgeführt. Deswegen wusste unser Bassist Armin S. zu überraschen, als er zu Beginn verkündete, eine "dumme Frage" stellen zu müssen. So etwas darf man sich unter einem CMO wie Thomas S. natürlich nicht erlauben, denn dieser sorgte gleich für Ruhe und forderte Armin auf, laut und deutlich zu sprechen, damit die Dummheit der Frage auch richtig zum Tragen kommen konnte. Es ging letztendlich darum, ob der Bass in einem bestimmten Takt ein G oder ein Gis zu spielen habe. Wie Sie sich denken können, ist mir der Unterschied nicht ganz klar (ich würde so etwas nie fragen). Deswegen habe ich von der Diskussion, die Armins Frage auslöste, nicht alles verstanden. Thomas erläuterte zum Beispiel, dass "Vorzeichen nicht für Oktaven" gelten. Ich finde diese ganzen Diskussionen extrem schwierig und bin mittlerweile der Meinung, dass man mir da bewusst etwas verheimlicht. Und damit nicht genug: Nach einem kompletten Durchgang des Stücks vermisste Thomas etwas. Irgend jemand hatte einen Auftakt verpasst. Dummerweise genügte ein Blick in die Partitur, um die 3. Trompete (also mich) als Fehlerquelle zu identifizieren. Die zweite dritte Trompete, unser Präsident Ralf H., war beim zweiten Stück natürlich noch nicht da, so dass ich ganz alleine da stand. Aber wenigstens zwang der CMO mich nicht, die Stelle alleine vorzuspielen. Das kann eigentlich nur bedeuten, dass er demnächst mal wieder irgend etwas von mir will. Ansonsten hätte es keine Gnade gegeben.
Stadt-Land-Fluss
Ich finde, dies ist eine der besten Nummern im ganzen CD-Programm. Meine Notizen zeugen von keinen ungewöhnlichen Vorkomnissen, außer dass Thomas mich fragte, ob ich mit dem Abschnitt I klarkomme. Sie erinnern sich vielleicht, dass wir die musikalische Genese dieses Abschnitts schon einmal genauer unter die Lupe genommen haben. Zum Glück ist dies einige der wenigen Stellen im neuen Programm, die ich mit Freude und Selbstbewusstsein annähernd fehlerfrei spielen kann, und zu meinem noch größeren Glück verzichtete der CMO auf einen Beweis dieser Behauptung.

Ohne Worte
Dieses Stück ließ Thomas unmittelbar nach der Pause auflegen, und pünktlich zu dessen Beginn öffneten sich die Schiebetüren des Schulungszentrums und unser Präsident Ralf H. trat zu uns herab. Das Musikervolk begrüßte ihn mit einem Lächeln und zarten Beifallsbekundungen, was wieder einmal deutlich zeigt, dass auch das Zuspätkommen eine Kunst ist, die nicht jeder beherrscht. Die Band konnte ja nicht wissen, dass heute Abend tatsächlich valide Sachgründe für das späte Erscheinen vorlagen und der Präsident sich ordnungsgemäß abgemeldet hatte. Thomas erklärte den Sachverhalt dann so: "Wenn man schon zu spät kommt, muss man so spät sein, dass die Leute froh sind, dass man überhaupt noch kommt. Ein bisschen zu spät ist Mist, dann sind sie sauer auf dich." Die ganze Logik birgt natürlich ein gewisses Skalierungsproblem, denn wenn alle dieser Maßgabe folgen, annuliert sie sich selbst. Häh? Ich glaube, ich arbeite zu viel.
Don't You Be Worried
Zu dieser Nummer habe ich ein besonderes Verhältnis, denn ich darf hier bei der CD-Aufnahme ein Solo spielen. Warten Sie mit Ihrer endgültigen Kaufentscheidung aber ruhig noch: Die Soli werden separat eingespielt, und wenn meine Performance zu schlecht ist, kann man das Solo immer noch weglassen. Ich werde aber fleißig üben, versprochen. Beeindruckt war ich von der Performance unseres Pianisten Frank W., der die letzten Takte des Stückes im Stehen spielte und in die Tasten griff, als habe er den Motown mit der Muttermilch in sich aufgesogen. Ganz stark.
Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt
In meinem Notizblock steht zu diesem Stück kein einziges Wort. Das kann eigentlich nur heißen, dass wir es super gespielt haben, oder? Vielleicht kann ich aber bei der Gelegenheit erwähnen, dass es einfach eine extrem gute Nummer ist. Arrangiert hat es Chris Perschke, der uns immer mal wieder bei Auftritten als Bandleader unterstützt, wenn unser CMO auf Tournee ist und auch bei der Aufnahme eine Rolle spielen wird.
Abendlied
Unsere Sängerin Dagmar K. konnte heute Abend leider nicht dabei sein. Deswegen mussten wir die Gesangsnummern ohne sie spielen. Das war natürlich sehr langweilig. Ein deutlicher Lichtblick bei Abendlied war aber das überlange Gitarrensolo von Jens W. Aus dem Posaunensatz hörte man den geraunten Kommentar: "Schon deshalb würde ich die CD kaufen." Jawohl! Recht haben die Jungs, auch wenn ich mich grundsätzlich schwer damit tue, einem Posaunisten Recht zu geben. Das Solo gehört nicht gekürzt. Es wird dazu beitragen, dass meine Prophezeiung in Erfüllung geht: Als Gesangsnummer wird Abendlied, das Thomas als Trompeter schon in zwei Versionen eingespielt hat (auf Kitchen Music und Ballads), ein Welthit werden.
The Shadow of Your Smile
Eine schöne Nummer, aber ohne Dagmar eben nur halb so schön. Thomas S. schien es aber zu gefallen, denn als wir alle schon sehnsüchtig auf unsere Instrumentenkoffer schielten (es war bereits 21.10 Uhr), verordnete er einen weiteren Durchgang: "Einmal durch noch mal für mich, das schadet nix." Vermutlich hat er Recht.
Nach so viel Arbeit blieb nur eins: Wir mussten unserem Lieblingsrestaurant, dem La Tortuga in Walldorf, einen Besuch abstatten und uns an allerlei Tapas und zwei großen Schüsseln Pommes abarbeiten. Schließlich steht am kommenden Samstag eine Dreistundenprobe an. Dafür brauchen wir alle viel Kraft.

An dieser Stelle lesen Sie wieder von uns, wenn die CD im Kasten ist und die Probenarbeit im April sich auf neue Ziele richtet. Neue Stücke liegen schon in den Notenmappen bereit, und wir werden bald auch wieder live zu hören sein.
Alles Banane: Probe am 16. Februar 2011
Lassen Sie sich durch die etwas niedrigere Frequenz, mit der an dieser Stelle Berichte von unseren Proben erscheinen, nicht täuschen. Wir sind weiterhin hochkonzentriert bei der Sache und bereiten uns auf die CD-Aufnahme Ende März vor. Das gilt sowohl für die musikalische Arbeit als auch für den eigentlich unterhaltsamsten Teil der Projektvorbereitung, nämlich die Diskussion über das Cover (für Kenner: sie entspricht in Grundzügen der Diskussion über das Plakat vor dem jährlichen Mitarbeiterkonzert). Details werden aber noch nicht verraten. Es ist schon schlimm genug, dass Sie bei aufmerksamem Studium der Probenberichte herausfinden können, welche Titel auf der CD landen werden. Ich werde mich allenfalls zu einem diffusen Hinweis überreden lassen, aber erst am Ende dieses Berichts.
Kurz vor der Probe forderte ich unseren Konsul Toni D. zu einem kleinem Wettbewerb heraus: Ich wettete, dass ich die F-Dur-Tonleiter schneller spielen könne als er. Natürlich ließ er sich darauf ein und schlug mich mit einem geschickten Schachzug aus dem Rennen. Er sagte nämlich: "F-Dur kann jeder, lass uns Fis-Dur nehmen." Ich persönlich fand das schwierig, weil ich nur bis jeweils drei Vorzeichen kann, also sozusagen die Nordhälfte des Quintenzirkels. Zum Glück beendete Thomas das unwürdige Treiben mit einem scharfen Kommando: "Hört auf damit, Männer, sonst habt ihr gleich schon wieder die Fresse dick." OK. Haben wir halt aufgehört. Er meint es ja nur gut, auch wenn er es nicht immer zeigen kann.
Zu Beginn der Probe glänzten einige Musiker noch durch Abwesenheit, aber Thomas konnte uns beruhigen: "Wir haben ja nur eine CD-Aufnahme vor uns. Also überhaupt kein Grund zum Stress." Getreut diesem Motto ließ er ganz routiniert eine konzentrierte, auf wenige Stücke beschränkte Probe vom Stapel laufen. Es ging los mit Your're Up (Hinsbeeck), gefolgt von Abendlied (Siffling) und The Shadow of Your Smile (Mandel). Diese drei Stücke spielten wir wieder und wieder, zuerst ohne Gesang und nach der Pause mit unserer fantastischen neuen Sängerin, Dagmar K.
Helmut G., Star-Trombonist und Lebenskünstler, zeigte Mut, indem er genau zu Beginn des zweiten Teils eine Banane aus der Tasche zog und zu schälen begann. Genau genommen hätte er ja die Pause, die CMO Thomas S. durchaus großzügig bemessen hatte, zur Nahrungsaufnahme nutzen können, aber er zog es vor, seine Obstration auf den Notenständer zu legen und ab und zu hineinzubeißen.
Hier muss allerdings ein kritischer Gedanke erlaubt sein: Was spielt sich in einem Posaunenmundstück und dem daran angeschlossenen Rohr ab, wenn der Musiker seine Lippen, die einen strahlenden Ton zum Klingen bringen, nur wenige Sekunden vorher in das mehlige Fruchtfleisch einer Banane getaucht hat?
Wir wollen es uns nicht in allen Einzelheiten ausmalen, denn letztendlich muss das jeder auf der künstlerischen Ebene mit sich selbst ausmachen und natürlich die Wartungskosten für das Instrument tragen. Und der Erfolg gibt unserem Helmut ja recht. Wir rechnen eigentlich fest damit, dass er hinter den Kulissen schon mit Thomas über ein ausgedehntes Posaunenfeature auf dem neuen Album verhandelt. Man darf gespannt sein.
Ebenso überraschend wie die Aktion mit der Banane war Thomas' unkontrollierte Reaktion, als Peter im zweiten Teil sein Horn in den Koffer packte und sich an den Rand stellte. Sein Saxofon, so Peter, sei kaputt. Aber das sei ja nicht schlimm, weil Marko D. (ebenfalls Saxofonist) mittlerweile eingetroffen sei. Thomas drehte sich daraufhin um, schaute in Markos Richtung und rief lauthals: "Aber das ist doch Scheiße!" Ich konnte Marko in diesem Moment nicht sehen, kann mir seinen Gesichtsausdruck aber im Detail vorstellen. Ob unser CMO nur in die falsche Richtung geschaut hat oder ob er sich gerade einen militärisch angehauchten Führungsstil angewöhnt, wird man sehen müssen. Die betont funktionale Oberbekleidung, die er heute Abend gewählt hatte, lässt eher auf letzteres schließen, denn mit dieser Jacke (die ich auch sofort tragen würde) ließe sich ohne Probleme auch ein ausgedehntes Manöver durchstehen. Ein Foto gibt es leider nicht, aber ich werde das nachholen.
Der Abend ging zu Ende im Da Savio am Ortsrand von Walldorf, wo unser ewiger Twen Jens W. sich äußerst spendabel zeigte (danke Jens!) Das Essen war gut, und die Art und Weise, wie Dagmar und Thomas den CO2-Gehalt ihrer Rieslingschorle genau analysierten und den armen Kellner zu mehrfachen Nachlieferungen verurteilten, sehr unterhaltsam. Der einzige Punkt, den wir heute Abend nicht besprochen haben, war die Gestaltung unseres CD-Covers. Wobei ich Ihnen davon ja ohnehin nicht hätte berichten dürfen, weil es eine Überraschung sein soll. Es ist auch noch nichts endgültig entschieden, aber es geht sehr stark in die Richtung eines bestimmten Motivs. Lassen Sie uns doch eines unserer beliebten Gewinnspiele daraus machen. Wer das Motiv anhand der folgenden Beschreibung erraten kann, erhält eine unsere CDs (freie Auswahl): Den gesuchten Begriff erhält man, indem man einen Text identifiziert, der sowohl im Matthäus- als auch im Lukasevangelium vorkommt und die ersten beiden Wörter ins Lateinische übersetzt. Ja, meine lieben Leserinnen und Leser, jetzt ist die gute alte abendländische Bildung gefragt. Aber daran sind sie bei uns ja gewöhnt. Raten Sie mit und senden Sie die Lösung an hendrik.achenbach@sap.com. Die ersten drei richtigen Einsendungen zählen als Gewinn.
Alles grün: Probe am 12. Januar 2011
Nach unserem letzten Auftritt im Dezember, von dem mittlerweile einige sehr schöne Fotos vorliegen, hatten wir uns ein paar Wochen Pause gegönnt. Heute Abend fand die erste Probe in diesem Jahr statt, und die ganze Sache ging schon im Vorfeld gründlich schief. Ich hatte der Band in der Woche vor Weihnachten eine E-Mail geschickt, dass die Probenarbeit am 12. Januar wieder losgehen würde (und manche von den Jungs und Mädels lesen meine Nachrichten, ich glaube mittlerweile fest daran). In der Probenplanungsliste auf sapbigband.com hatte ich aber leider den 19. Januar eingetragen. Das Ganze resultierte in einer ziemlichen Verwirrung, die sich zum Glück durch ein Telefonat mit unserem CMO Thomas S. auflösen ließ.
Wo wir gerade von unserem CMO reden: Als wir telefonierten, war der Gute kaum aus dem Weihnachtsurlaub zurück und eben erst gelandet, saß aber schon wieder im Wagen, auf dem Weg zum nächsten Auftritt. Fleißig, fleißig. Trotzdem fand er die Zeit, mich zu fragen, was mein Waschbrettbauch mache. Darüber wollen wir heute nicht schon wieder reden - es gibt nichts Unwichtigeres auf der Welt als meinen Bauch - aber reden wir doch über Thomas. Er selbst hat sich im Urlaub offenbar nur von grünem Tee und Rettich ernährt - zumindest könnte man das meinen, wenn man ihn sich anschaut (das Foto stammt von heute Abend):

Es sieht natürlich ein bisschen so aus, als ob er den Bauch einzieht. Das gebe ich zu. Hier muss es sich wohl um ein Problem mit der Kamera handeln. Aber lassen wir dieses leidige Thema und wenden wir uns der Musik zu.
Die Probe begann mit Stadt-Land-Fluss von Rainer Tempel. Seit heute Abend hat ja offiziell die Vorbereitung für unsere CD-Aufnahme im Frühjahr begonnen, und diverse Tempel-Nummern sind heiße Kandidaten für dieses Album. Dafür, dass wir einige Wochen Pause hatten, klappte es eigentlich ganz gut bei dieser ersten Nummer. Besondere Erkenntise konnten wir nicht gewinnen. Unser CMO hielt lediglich fest, dass (a) unser Konsul Toni D. ein gutes Solo gespielt habe und (b) mein Trompetensound sowohl mit als auch ohne Dämpfer nichts tauge. Also nichts Neues. Allerdings wusste Thomas uns zwischendurch mit einer ersten Vorschau auf seine Autobiographie zu erfreuen, die schon mit großer Spannung erwartet wird (obwohl es noch locker 10 bis 20 Jahre dauern kann, bis sie in den Buchläden liegt). Ein zentrales Kapitel in diesem Buch wird die Konzertreise nach Spanien behandeln, die er im vielversprechenden Alter von 17 Jahren unternahm. Er konnte sich damals mit den Aufsichtspersonen nicht auf eine gemeinsame Position zum Nutzen ausgiebigen Bierkonsums einigen. Eine einsame Heimfahrt im Europabus und ein vorzeitiges Ausscheiden aus der Schullaufbahn konnte wohl abgewendet werden. Trotzdem wird er die Rechnung von damals in seiner Lebensbeschreibung wohl noch einmal aufmachen müssen, und wir unterstützen ihn dabei natürlich nach Kräften.
Es ging weiter mit einem neuen Stück: Jochen Welsch, von dem wir schon einige fantastische Arrangements spielen, hat Männer von Herbert Grönemeyer für Big Band arrangiert. Das Arrangement gilt als schwierig, was Thomas natürlich super findet, weil er uns damit fordern kann. Ich persönlich bin bereit, mich damit auseinanderzusetzen, obwohl ich ja nun wirklich nicht als guter Vom-Blatt-Spieler bekannt bin und mich mit neuen Stücken ohnehin immer schwer tue. Aber bisher hat es ja meistens irgendwann Klick gemacht. Womit ich heute Abend meine Schwierigkeiten hatte, waren die Tempoanweisungen in diesem Stück. Beispiel gefällig?

Wie man sieht, wird hier zu Beginn des Teils "E" angegeben, dass eine punktierte Viertelnote nun einer normalen Viertelnote entspricht. Ich interpretierte das folgendermaßen: Ein längerer Zeitraum (der benötigt wird, um eine punktierte Viertel erklingen zu lassen) wird einem kürzerem Zeitraum (der benötigt wird, um eine normale Viertel erklingen zu lassen) gleichgesetzt. Mathematisch ausgedrückt also 1,5 = 1. Das geht natürlich nicht, aber die Bedeutung ist "länger = kürzer", also: schneller. Denkt man zumindest. Oder, vorsichtiger ausgedrückt, dachte ich zumindest. Gemeint war nämlich, dass das Tempo langsamer werden soll.
Ich ließ mich darauf ein, öffentlich mit unserem CMO über diese Fragestellung zu diskutieren, aber es nunmal leider so, dass er Musik studiert hat und ich nicht und ich in Mathe (das hätte mich retten können) auch immer eine Flasche war. Was soll ich sagen? Ich habe mich bemüht, aber es ist nicht gut ausgegangen. In Zukunft muss ich meinen Intellekt an dieser Stelle wohl einfach abschalten und langsamer spielen, weil er es so will. Hmpf.
Der Rest der Probe lief aber versöhnlich ab, weil Thomas drei Stücke auflegen ließ, die wir schon ein bisschen länger spielen: Der Professor, Don't You Be Worried und Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt. Auch hier handelt es sich natürlich um Kandidaten für unser nächstes Album. Bei Der Professor habe ich unseren Präsidenten Ralf H. vermisst, denn die 3. Trompete, die ich mir bei vielen Stücken mit ihm teile, hat hier ein oder zwei exponierte Stellen, bei denen ich ohne ihn nur teilweise positiv auffallen konnte. Ralf konnte heute leider nicht bei uns sein, aber wir haben viel über ihn gesprochen. Nächste Woche ist er sicher wieder dabei.
Ein Extra-Spezial-Sonderlob erteile ich an dieser Stelle unserer Saxofonistin Edda S. Wie das folgende Bild zeigt, vertrat sie heute Abend zusammen mit Harald S. den Saxofonsatz (alle anderen konnten nicht da sein):

Beim letzten Stück war Harald jedoch nicht mehr da (ein Mann wie er hat eben Termine, Termine, Termine), so dass Edda sich alleine durchschlagen musste, und der Saxofon-Part von Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt ist nicht einfach. Sie hat super gespielt. Sonderlob hiermit erteilt, Stempel drauf und zack, fertig. Weiter so.
Der Abend ging mit einer kleinen Sushi-Verkostung in Walldorf zu Ende (wobei ich selbst mich zu den gebratenen Nudeln mit Hähnchen hinreißen ließ, denn es gibt nichts Besseres als gebratene Nudeln). Wir hatten viel Spaß, gute Gespräche und einen bestens aufgelegten Konsul Deimel, der uns sogar die Getränke spendierte. Warum, wird nicht verraten, aber ich lasse unseren Toni hiermit offiziell hochleben.

Frank unterhielt uns mit interessanten Insiderinformationen über japanisches Essen, so dass ich nun endlich auch weiß, dass Wasabi (haben Sie kürzlich auch den grünen Käse bei Rewe gekauft?) eine Art Rettich ist. Und ganz zum Schluss gab es Grüntee-Eis. Hier schloss sich der Kreis zur mutmaßlichen Urlaubsdiät unseren CMOs (der leider nicht an der Nachbesprechung teilnehmen konnte) auf wunderbare Weise, so dass wir alle an Leib und Geist satt und gestärkt nach Hause gehen konnten.
Auf der Suche nach der Quelle: Probe am 17. November 2010
Viele Bandmitglieder freuen sich sicher ebenso wie ich darüber, dass unser CMO weitere Stücke von Rainer Tempel besorgt hat. Eine der neuen Nummern - sie heißt Stadt-Land-Fluss - nahm heute die erste Hälfte der Probe ein. Es gäbe viele bemerkenswerte Stellen in dieser Komposition zu erwähnen, doch ganz besondere Aufmerksamkeit verdient der Abschnitt I (nicht römisch eins, sondern iiih). Wir proben das Stück nicht erst seit heute, und ich habe schon mehrfach beobachtet, dass dieser Abschnitt bei mehreren Bandmitgliedern zu reproduzierbaren Reaktionen führt: Sanft entrücktes Lächeln, Hin-und-Herwiegen des Kopfes oder des ganzen Oberkörpers und wissende Blicke, die man sich gegenseitig zuwirft. Meine Analyse lautet: Der Komponist zitiert hier musikalisches Material, das jeder schon einmal gehört hat. Hier zeigt sich wieder einmal, dass die Menschheit offenbar doch über ein gemeinsames kulturelles Gedächtnis verfügt, an dem offenbar auch die SAP BIG BAND zu einem gewissen Teil partizipiert.
Ich persönlich hatte ein wenig damit zu kämpfen, dass ich am Vormittag eine geschlagene Stunde im Behandlungsstuhl meines Zahnarztes verbracht hatte ("schön weit aufmachen, Herr Achenbach!"). Abends konnte ich immer noch jeden Zahn spüren, und meine Lippenmuskulatur wollte auch nicht mehr so richtig mitspielen. Trotzdem musste ich noch ein wenig durchhalten, denn im zweiten Teil der Probe standen einige Gesangsnummern auf dem Programm, um sowohl unsere neue Sängerin Dagmar K. als auch die Band für das Konzert fit zu machen. Dabei stellte sich heraus, dass der heute abwesende Olli B. - über den schon manches Mal wegen der Lautstärke seines Schlagzeugspiels geschimpft wurde - dem einen oder anderen durchaus auch hilft, im Takt zu bleiben. Wir mussten uns bei No More Blues ohne ihn mächtig Mühe geben, nicht aus der Kurve zu fliegen.
Der Vertrauensvorschuss des musikalischen Direktors: Probe am 27. Oktober 2010
Wenn Sie sich schon ein wenig länger mit der SAP BIG BAND und ihrem charismatischen CMO, Thomas S., beschäftigen, wissen Sie aber auch, dass bei uns die Dinge häufig ein wenig anders sind als bei normalen Bands. Seit letzter Woche haben wir eine neue Sängerin, Dagmar K., und Thomas hat kurzerhand entschieden, dass sie schon am kommenden Freitag beim Konzert in Eberbach mit uns auf der Bühne stehen wird. Nun steht nach zwei gemeinsamen Proben außer Frage, dass wir ihr den Auftritt zutrauen. Wir sollten uns vielmehr fragen, ob wir uns das auch zutrauen, denn eine Sängerin kann natürlich immer nur so gut sein wie die Band im Hintergrund. Zu allem Überfluss hat Thomas (der, nebenbei bemerkt, neuerdings noch einen zweiten Titel, nämlich den des musikalischen Direktors (MD) führt) kurz vor der Probe einige Nummern aufs Programm gesetzt, die wir zwar schon einige Male aufgeführt, aber trotzdem länger nicht gespielt haben. Vermutlich wirkt die erste Probe nach der diesjährigen Sommerpause, bei der wir den CMO mit einer unglaublichen Performance überraschten, immer noch nach. Er vertraut uns einfach. Ob das klug ist?
Bei der Abstimmung waren leider nicht mehr alle Musikerinnen und Musiker anwesend. Das Ergebnis war zunächst unentschieden (5:5). Dann stellte sich aber heraus, dass Drummer Olli B., der nach der Probe immer damit beschäftigt ist, seine Ausrüstung in den Keller zu schaffen, noch keine Stimme abgegeben hatte und somit das Zünglein an der Waage spielen konnte. Wie er sich letztendlich entschieden hat, weiß ich nicht, denn ich konnte heute Abend leider nicht mit zur Probennachbesprechung gehen. Vielleicht hat sich ja dort eine Entscheidung ergeben. Falls nicht, wäre es interessant zu wissen, wie Sie sich entscheiden würden. Schicken Sie mir doch eine E-Mail, um Ihre Stimme abzugeben. Die ersten drei Einsender gewinnen wahlweise eine Freikarte für unser Konzert in Eberbach (im Wert von 12,00 EUR) oder eine unserer CDs.
Der Champagner des kleinen Mannes: Probe am 29. September 2010
Nun mögen sie sich fragen, was meine Gewichtszunahme mit der Bigband-Probe zu tun hat. Nun, es hat sich in den letzten Jahren eingebürgert, dass man in der Probe auch immer auf den körperlichen und modischen Gesamtzustand der anderen achtet und etwaige Schwächen erbarmungslos anprangert. So musste ich mir von den beiden heute anwesenden weiblichen Bandmitgliedern anhören, dass meine neue Kurzhaarfrisur keine gute Entscheidung darstelle und ich auch sonst heute nicht besonders gut aussehe. CMO Thomas S. setzte noch einen oben drauf, indem er sich nun schon zum zweiten Mal darüber mokierte, dass meine Augenringe beim Solospiel so deutlich hervortreten würden. Das war natürlich schon eine geballte Ladung negativer Schwingungen. Man könnte glatt depressiv werden. Ich kann es aber nicht. Das Leben ist einfach zu schön.
Trotzdem dann auch noch das: Die Probe begann mit Heartland. Bei diesem Stück darf ich ein Trompetensolo spielen, was grundsätzlich leichter fällt, wenn man sich schon ein bisschen warm gespielt hat. Zu allem Überfluss fiel mir ein, dass ich in der letzten Woche irgendwie überhaupt nicht zum Trompeteüben gekommen war. Außerdem - was für eine Pechsträhne - war Drummer Olli B. nicht anwesend, der mit seiner Schlagkraft zum einen falsche Töne zu überdecken weiß und zum anderen dafür sorgt, dass ich halbwegs im Takt spiele. All dies führte dazu, dass ich zu Recht - im Gegensatz zu letzter Woche - kein Lob von unserem CMO erntete. Dabei brauche ich seinen Zuspruch doch wie die Blumen das Wasser! Aber es geschieht mir recht. Wer nicht übt, ist selbst schuld.
Nun zurück zu El Presidente Ralf H. Der Gute setzte gleich zu Beginn einen deutlichen Akzent, indem er pünktlich zur Probe erschien. Das ist für Normalsterbliche zwar nur eine durchschnittliche Leistung, doch unser guter Dr. H. bekennt sich normalerweise aktiv zum akademischen Viertelstündchen und schlendert entspannt herbei, wenn die anderen schon mit den Noten kämpfen Nicht so heute - er war von Anfang an dabei, verbreitete gute Laune und hatte auch immer wieder ein freundliches Wort für mich. Dummerweise mag unser CMO es gar nicht, wenn wir nicht aufpassen, und als er uns zum wiederholten Male beim Schwätzen erwischte, sagte er: "Manchmal könnte ich mir vorstellen, euch beide zu trennen." Das wäre natürlich für beide Seiten ein extrem harter Schlag. Wir müssen das irgendwie abwenden.
Glücklicherweise ruhte die Aufmerksamkeit von Thomas S. aber auch noch auf anderen Dingen. Zum Beispiel auf unserem Gasttrompeter Manni K., der heute Abend dabei war, weil er uns auch in Schwetzingen unterstützen wird. Er ließ sich gleich zu einigen Soli überreden, und sein Einsatz bei Quiet Nights of Quiet Stars (Corcovado) verzauberte den gesamten Saxophonsatz derart, dass die Herren und Damen Holzbläser kollektiv den nächsten Einsatz verpassten. Das ist peinlich, aber man kann es verstehen. So ein richtiges Blasinstrument aus Blech klingt eben doch anders. Da lässt man sich gerne mal ablenken und beginnt zu träumen. Vielleicht fragt man sich auch, wie alles gekommen wäre, wenn man sich damals auf der Musikschule anders entschieden hätte. Tja, der Zug ist nun abgefahen. Tut mir leid, aber es hilft ja nichts, um den heißen Brei herumzureden.
In diesem Zusammenhang ist es aber höchst interessant, dass die Geschichte mit dem Saxophon im Hause eines Trompeters (Ralf H.), die letzte Woche ans Tageslicht gelangte, weitere Kreise zu ziehen scheint. Thomas S. wusste aus zuverlässiger Quelle zu berichten, dass Ralf heimlich damit begonnen hat, Saxophon zu üben, um Jochen R. von seinem Platz zu verdrängen. Wir waren schockiert. Immerhin eröffnete der CMO dem Präsidenten, dass er als Altist in dieser Band kein Zukunft haben werde und empfahl eine Bewerbung bei der Porsche Big Band.
Nun, wir werden die Situation weiter zu beobachten haben. Leistungsträger muss man zu halten wissen, wenn man sie nicht verlieren will. Auf der anderen Seite zeigte Ralf gegen Ende der Probe eine leichte Schwäche, die eigentlich nur gespielt und kalkuliert sein konnte. Er beschwerte sich nämlich darüber, dass die straffe Probendurchführung des CMOs ihm nicht einmal die Gelegenheit gebe, seine Kehle mit einem Schluck Wasser anzufeuchten.
Wer in der SAP BIG BAND, die nun einmal als Haifischbecken bekannt ist, eine solche Bemerkung macht, ist nun wirklich selbst schuld. Schon heute Abend zeichnete sich ab, dass die trockene Kehle zu einem Leitmotiv der künftigen Probenarbeit werden wird. So manch einer fasste sich nach einem falschen Ton oder verpassten Einsatz an den Hals und entschuldigte seine schlechte Leistung mit akutem Wassermangel.
Und wie reagierte der Präsident auf diese Sticheleien? Wie ein ganz Großer: In einer kurzen Pause zwischen zwei Stücken verschwand er kurz in der Kantine, kehrte mit einem Glas zurück, tänzelte dann leichtfüßig zum Wasserspender im Foyer und schwebte mit einer ordentlichen Portion Sodawasser auf seinen Platz zurück. Diese genoss er dann demonstrativ in vollen Zügen. Wie dieser Mann, der einen ausgezeichneten Ruf als Weinkenner hat, selbst einfachste körperliche Bedürfnisse nicht nur zu stillen, sondern zu zelebrieren weiß, ist beispiellos. Wir verstanden plötzlich, warum man das Sodawasser auch als den Champagner des kleinen Mannes bezeichnet. Nehmen wir uns ein Beispiel.
Nachdem das letzte Stück gespielt war, fuhr der harte Kern Richtung Nussloch, um ein neues Lokal auszuprobieren. Dessen Name ist mir leider nicht präsent, aber es liegt in der Nähe des Walldorfer Flughafens und hat früher einmal Tante Ju geheißen. Wir haben es uns ja zur Aufgabe gemacht, Newcomern in der Walldorfer Gastronomie eine Chance zu geben und sich einen Platz auf der Liste unserer Stammlokale zu erobern (wo zur Zeit das Tournedo und La Tortuga um Platz 1 kämpfen). Die meisten von uns waren recht angetan - die Platzhirsche auf der Liste müssen sich also ins Zeug legen, um ihre Position zu behaupten.
Wir beschlossen, im Februar oder März 2011 unseren großen Erfolgen einen weiteren hinzuzufügen und eine neue CD aufzunehmen. Natürlich muss die Band diesem Plan noch zustimmen, aber bisher waren unsere CD-Projekte immer eine runde Sache. Deswegen hoffen wir, dass alle mitziehen. Im Hinblick auf das Thema des neuen Albums wurden heute Abend auch schon einige vielversprechende Konzepte diskutiert. Davon eignet sich allerdings nicht alles für den öffentlichen Diskurs. Deswegen machen wir hier einen Schnitt und freuen uns einfach alle gemeinsam auf das Ergebnis. Weitere Details werde ich aber schrittweise in diesem Blog enthüllen - bleiben Sie dran.











